Wasser von allen Seiten

Unsere Reisephilosophie wird im Moment arg geprüft; wir kommen einfach nicht voran. Das Motto ist zwar Eile mit Weile, aber zur Zeit ist sehr viel Geduld angesagt, und mit der Weile meinten wir eigentlich nie kleine Ewigkeiten.

Nach Epernay, wo es uns gefallen hat, wir jedoch den Preis von 30€ pro Nacht für mässigen Service masslos überteuert fanden, sind wir einige Kilometer die Marne runter gefahren, haben in einem Winzerdorf einen freien Ponton erblickt und da festgemacht. Wir wussten, dass eine Schlechtwetterperiode naht und wollten ein Festmachen an einem festen Kai unbedingt vermeiden. Da der Ort hier zudem noch kostenlos Strom und Wasser zur Verfügung stellt, machte es ein Verbleiben noch attraktiver.

Epernay

  • Gotische Kathedrale von Epernay
  • Eine Champagner-Bar im ehemaligen, ziemlich pompösen Bankgebäude
  • Epernays hübsche Innenstadt by rain
  • Platz mir Park in Epernays Innenstadt
  • Die Restaurants sind wieder normal offen. Riesenglas für Wein, winziges Glas für Wasser.
  • Der etwas schäbige Quai für 30€, immerhin gibt es bemalte Poller
  • noch ein bemalter Poller mit einer Dame der man ein Glas Champagner hinstreckt
  • Ein weiterer Poller, bemalt im Hiipy-Stil; CHampagnerflaschen vor buntem, gemusterteù

Cumières

  • Eingang zu einem B&B
  • Janusz, der grosse schwarz-weisse Hund, auf dem kleinen Steg
  • Rebberge zuhauf ziehen sich den Hügel hinauf, oben gekrönt durch Wald
  • Eingang zu einem Hof mit Gartenwirtschaft
  • Das Dorf ist voller überdachter Toreinfahrten, dahinter Weinkellereien
  • Durch ein geschmiedetes Metalltor abgetrennter Innenhof, mit separater, uralter Holztüre für Besucher zu Fuss
  • Im kleinen Cumières gibt es ein gutes Dutzend Weinbauern, überall hängen solche alten verwitterten Schilder
  • Schattiger Picknickplatz mit riesigen Weiden am Ufer der Marne
  • Das von Reben umgebene Dorf und eine nette Anlegestelle (links unten)

Na, und dann ging es aber los; Regen, Regen, Regen ohne Ende. Zum Teil heftig und ohne Unterlass. Wir beglückwünschten uns zur guten und sicheren Wahl unseres Warteplatzes. Die Marne änderte ihre Farbe von grünblau zu schmutzigbraun und verdoppelte die Strömungsgeschwindigkeit. Wir stiegen etwas, aber nicht viel. Auf der Internetseite (Vigicrue), die wir normalerweise für Infos über Wasserstände konsultieren, wurden nach und nach alle möglichen Wasserläufe orange oder rot, nicht aber die Marne. Das wunderte uns und machte uns skeptisch. Am Donnerstag meldeten Stationen am Oberlauf Pegelstände von 2.70 über Normalnull und hier tat sich noch nichts, nur die Strömung nahm nochmals zu und es begann mit Schwemmholz. Erst kamen kleinere Äste daher, dann immer grössere und längere Stämme, zuletzt halbe Bäume. Offensichtlich räumte die Marne irgendwo den Uferbereich ab.

  • Eine riesige, verzweigte Baumleiche. Die wollte unter uns durch; wir wollten das aber nicht und halfen ihr an uns vorbei. Bei Tag geht das ja.
  • Blick durch das hintere, grosse Fenster. Draussen Dauerregen und entsprechend schlechtes Internet, da bleibt nur Lesen

Unser Stahlrumpf wirkte wie ein Resonanzkörper, entsprechend ‚gut‘ schliefen wir, denn Tag und Nacht donnerten Holzstücke an und unter dem Boot vorbei. Es ist auch jetzt noch nicht vorbei, auch wenn es seit Sonntag nicht mehr regnet, es kommt noch enorm viel Treibgut den Fluss runter. Regelmässig holen wir ganze Stämme unter dem Bug, aus der Lücke zwischen Boot und Ponton und unter dem Heck hervor. Das längste bisher war ein ca. 10 Meter langer, kahler Teil eines Baumes und das dickste Stück ein 3 Meter langer Stamm von 60 cm Durchmesser! Letzterer hat sich nun zwischen Schwimmsteg und Ufer verkeilt.

Alles in Allem sind wir froh, nicht in Belgien zu sein; vor allem was in Lüttich abging machte uns richtig Angst. Mehrere Boote gingen unter oder wurden mitgerissen. Ehrlich, wenn ich mir das so vorstelle, da mittendrin zu sein….. lieber nicht!

Die Strömung scheint sich jetzt langsam zu beruhigen, auch dank dem, dass der starke Wind nachgelassen hat. Der Wasserstand variiert immer noch, ein paar Stunden sinkt er, ein paar Stunden steigt er; er muss irgendwo reguliert werden, denn auch das Schwemmholz kommt periodisch daher.

Hautvillers

  • Blick von Hautevillers aus ins weite Tal mit Cumières
  • Reben, Reben, Reben
  • Moêt & Chandon, nur einer der bekannten Champagnernamen
  • Gasse in Hautvillers, des Dorfes von Dom Pérignon
  • Die Region und Hautviller ehrt den Pater Dom Pérignon überall
  • Der Dorfplatz in Hautevillers mit Restaurantterrasse im Morgenlicht
  • Rebbauer hier - eines der gepflegten Winzerhäuser

Tja, wir bleiben sicher noch heute hier. Morgen beurteilen wir die Lage wieder neu. Mit unserem flachen Boot wollen wir jetzt nicht irgendwas beweisen und eine Weiterfahrt erzwingen. Wir nutzten die letzten paar sonnigen Tage um die nähere Gegend anzuschauen: die Weinberge und Winzerdörfer, das eine oder andere Glas Champagner durfte naturlich nicht fehlen! Hier ist die Gegend, in der Dom Pérignon, der Mönch der die Flaschengärung – wahrscheinlich nicht erfunden, aber doch – unterstützt und verbreitet hatte. Darauf sind die Leute hier mächtig stolz.

Es ist wirklich, wirklich schön hier, vor allem wenn die Sonne scheint!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!