So, wir sind draussen!

Wir sind gestern Abend am Endpunkt dieses Kanals angekommen, in Vitry-le-François. Vor genau 11 Monaten, dem 8. Juli, waren wir in den Canal Entre Champagne et Bourgogne (oder wie der alte Name es viel schöner benannte: Canal de la Marne-à-la-Saône) eingefahren.

224 Kilometer und 114 Schleusen haben wir bewältigt und viele unfreiwillige und freiwillige Pausen eingelegt. Na ja, so ist es halt und generell war es ja auch schön. Der Kanal führt durch tolle Landschaften und ein paar schöne Ortschaften, ist abwechslungsreich und bietet einiges an interessanten Kanal-Bauwerken wie Tunnels, Kanalbrücken und Zug-, Hebe und Schwingbrücken. Uns hat er sehr gefallen. Mal abgesehen der kommerziellen Schiffahrt hat er leider sehr wenig Bootsverkehr. Wir sahen alle paar Tage mal ein anderes Freizeitsboot und waren jeweils vom Gegenverkehr ganz überrascht. Vielleicht ist das so, weil er nichts ist für Leute, die abends gerne in ein Restaurant essen gehen, viele berühmte Orte und Stätten sehen möchten oder sonst irgendwelche Attraktionen wünschen. Dabei bietet er soviel Ruhe und Entspannung und wir mögen das halt gern. Ausserdem waren die Leute überall sehr freundlich und hilfsbereit mit Informationen oder Tipps. Sogar die Fischer sind hier verständnisvoll und zogen für unsere Durchfahrt ihre Leinen ein und winkten! Das sind wir auch anderes Verhalten gewohnt.

Gemäss unserem Führer ist dieser Kanal in 56 Fahrstunden zu bewältigen. Das wäre ein stolzes Ziel ohne Wartezeiten, Schleusentoren, die nicht aufgehen und reduziertem Tempo wegen zu vielen Algen usw. Erstaunlicherweise benötigten wir, trotzdem wir stets das Gefühl hatten ausnehmend langsam unterwegs zu sein, bis heute 62 Stunden reine Fahrzeit gebraucht. Das Bordbuch ist da sehr präzise!

Chamouilley

  • Von Wald umsäumter Kanalabschnitt. Eine der letzten Kurven, ab nun wird der Kanal ziemlich gerade
  • Ein tropischer Regenguss, es prasselt nur so runter und die Regentropfen sind dick und spritzen hoch auf
  • Das charmant dekorierte Waschhaus von Chamouilley. Sehr gepflegt, immer noch funktionstüchtig, ausgestattet wit antikem Schubkarre für die Schmutzwäsche und diversen Kesseln
  • Die gotische Kirche von Chamouilley, schön renoviert, im Abendlicht
  • Der Steg in Chamouilley, an einer breiten Stelle des Kanals gelegen. Wahrscheinlich ein alter Umschlagplatz für Schmiede-Erzeugnisse. Die Anlegestelle ist in Topp-Zustand und die Menschen hier sind sehr kontaktfreudig und nett.
  • Spazierwege im Schatten, ganz nahe dem Hafen
  • Das Waschhaus - fast scheint es einem, man höre noch das Geplapper der Waschfrauen

Gestern früh wären wir gerne früher von Orconte losgefahren, aber es war eine voll beladene Péniche gemeldet. Der Kanal ist auf den untersten 25 km am Rand voller schwimmender Algen und wir möchten da nicht rein gedrängt werden. Wir liessen den Berufsverkehr also erst mal passieren und warteten.

Die Wartezeit verbrachten wir mit studieren der Führer und Karten. Denn nun werden wir uns entscheiden müssen: wohin geht es weiter, nach Westen oder nach Osten? Richtung Champagne und dann weiter in den Norden oder runter ins Burgund oder doch eher Richtung Lorraine/Elsass. Links sind die Fahrbedingungen besser, aber nach rechts wäre es eben auch schön!

Im Grunde sind wir natürlich total frei. Eine einzige Bedingung haben wir: im kommenden Winter muss eine neue Heizung eingebaut werden, der Alten trauen wir nicht noch einen Winter zu. Dazu wäre es gut, wenn hier und dort ein wenig ausgebessert werden könnte. Es zeigen sich ein paar Rostflecken und Haarrisse. Auch kommt immer wieder das Thema der Sonnenkollektoren (und vielleicht einer Windturbine) auf. Dieses schieben wir ja schon seit Jahren vor uns her. Eine gute Werft muss es also sein, idealerweise eine, wo wir das Boot gleich ein paar Monate lassen könnten; wir haben da nämlich ein paar Ideen für den nächsten Winter….

St-Dizier und Orconte

  • Dramatische Formation von Gewitterwolken in gelb und blau. Abendstimmung in St-Dizier, für einmal mitten in der Stadt
  • In der Altstadt von St-Dizier: geplflasterte Strassen, viele Gebäude aus dem 18. und 19. Jahhundert
  • Windschiefes Riegelhaus an einer kleinen Gasse
  • Klatschmohn in Hülle und Fülle
  • Schleuse beim Lac la Folie. Der See mit seinem unwahrscheinlich dunkelgrünen Wasser selbst leider kaum sichtbar
  • Orconte - die Landschaft ist nun ziemlich flach
  • Der Sonnenuntergang taucht die Bäume in rostrote Farbe
  • Orconte - der Kanal liegt höher als das umgebende Land

Man sollte sich nie zu früh freuen

Die Fahrt hatte gestern dann allerdings einen überraschenden Abschluss. Kaum zu glauben, 222 Kilometer hat unser Boot bewältigt ohne je einen grösseren Mucks zu machen wegen dem zeitweise doch lästigen Unterwasserbewuchs des Kanals. 2 Kilometer vor Kanalende stellte ich auf einmal fest, dass das Kühlwasser, das da immer so schön rausblubbert, etwas weniger ist als normal, ja, für ganz kurze Zeitspannen sogar total ausfiel. Oh-oh, kein gutes Zeichen. Ein Blick auf die Motorentemperatur zeigte Temperaturen im normalen Bereich. Erste Massnahme: Boot anhalten, Motor auf freier Strecke anhalten und runter in den Schiffsbauch den Filter kontrollieren. Der war zwar voll, aber es kam eindeutig noch Wasser hindurch. So kurz vor dem Ziel wollten wir nichts riskieren. Im Schneckentempo tuckerten wir an unsere Destination in Vitry, stets ein Auge auf der Temperaturanzeige und eines auf den Auspuff (von unseren vier Augen natürlich!). Fussgänger überholten uns locker und fragten sich wohl, wen wir da anschleichen!

Endlich im Hafen von Vitry, waren wir ziemlich erledigt. Es war mittlerweile zu spät, um noch irgend etwas zu unternehmen. Aber vielleicht ergibt sich das Problem ja noch. Unsere Kühlwasseransaugung befindet sich nämlich ganz unten am Bootsbauch, geschützt durch ein Sieb. Wir denken, da muss sich etwas drauf festgesaugt haben (Plastik, ein grosses Blatt…) und verhindert das Ansaugen der vollen Kühlwassermenge. Es kann sein, dass sich das jetzt im Hafen lösen wird, und wenn nicht, tja, dann benötigen wir einen Taucher!

Irgendwie kommt stets alles zusammen

Janusz, der ältere Hund sollte zur Veterinärkontrolle, er leidet sehr unter der Wärme und vielleicht hat er ein medizinisches Problem. Für Merry haben wir den Bescheid: schlecht, aber nicht allzu schlecht. Sie muss unter Beobachtung bleiben, beim kleinsten weiteren Geschwürchen, sofort zum Tierarzt. Mehr kann man nicht tun.

Zum Glück müssen wir nirgends unbedingt hinfahren und unser Heim haben wir stets dabei. Auftauchende Probleme lassen sich am Besten eines nach dem andern lösen. Also heisst es jetzt, cool bleiben. Wenn der Kopf wieder frei ist, wollen wir entscheiden, wohin es von hier aus weitergehen soll. Da sind wir zur Zeit echt etwas überfordert. Kommt Zeit, kommt Rat.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

10 Kommentare zu „So, wir sind draussen!“

  1. Hi Suzy – Barbara wird es vielleicht erzählt haben…immer wenn wir bei Vitry den Kanal befahren verstopft unser Kühlwasseransaugrohr. Es ist wie verhext. Wir müssen dann den Salonboden öffnen, Aussenwasserfilter öffnen (den haben wir im Maschinenraum sitzen) und von oben die Verstopfung durchstoßen.

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  2. Hi, als ich deinen Beitrag las, fiel mir ein, dass ich mir vor Jahren einen schönen Bildband über die Kanäle in Frankreich gekauft hatte, weil mir der Name „Canal de la Marne-à-la-Saône“ bekannt vorkam. Den habe ich mir direkt mal rausgesucht und versucht, euren Weg nachzuvollziehen. Naja, aber die Bildbände zeigen ja auch nur Ausschnitte und die Details, die den Autoren wichtig waren. Trotzdem war es hilfreich, mal eine Karte vor Augen zu haben. Wohin auch immer es euch verschlägt: Viele Spaß und nette Begegnungen auf dem Weg und alles Gute auch für eure Hunde.
    Liebe Grüße, Anja

    Gefällt mir

  3. Schöne Bilder wieder. An St. Dizier erinnerte ich mich gern und an Vitry ebenfalls, auch wenn ich vor Jahren nur mit dem Auto über kleine Landstrassen gezockelt bin.
    Alles Gute für die Lösung der technischen Probleme und auch für eure Hundebesatzung!

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