Wir sind dann mal weg

Unglaublich, ich muss mich selbst in den Arm kneifen.

Gestern Punkt 10 Uhr, genau wie geplant (hoho, eine Riesenleistung für uns!), legten wir in La Maladière, Chaumont, ab. Ich habe nicht einmal einen Blick zurückgeworfen, so busy war ich mit dem Ableinen und Leinen Aufschiessen. Eigentlich wollte ich dieses Ereignis filmen, gestern früh jedoch wollte ich nur noch weg.

Die Zeit in Chaumont war keineswegs schlimm. So lange es andauerte, war es einfach eine Tatsache. Der Hafen war angenehm, wir wurden gut betreut, trotzdem der Hafen eigentlich den Winter über offiziell geschlossen blieb, die Infrastruktur hätte nicht besser sein können. Sogar neue Freunde haben wir in dieser Zeit gewonnen.

Am Montag hatten wir dein kleines Defilee an Steg und auch an Bord (mit Maske und Durchzug) von allen unseren neu gewonnenen Freunden, die uns verabschieden wollten. Ich war richtig gerührt. Wir sind dankbar, hatten wir so viel Unterstützung von zu Beginn fremden Menschen, sei es im Hafen, bei der Suche nach einem Tierarzt oder anderen Adressen und Hilfe bei typisch französischen amtlichen Fragen. Uns wurde sogar bei der Suche nach einem Auto für die Wintermonate grosszügig Hilfe angeboten!

Gestern Morgen, nach den ersten 100 Metern erblickte uns ein Trupp Fischer (in der Regel unter Bootlern nicht gerade als die freundlichsten Zeitgenossen bekannt) und auch diese wollten noch wissen, wohin wir unterwegs wären und ob wir wieder zurückkämen. Wir fühlten uns kurz mal wie der berühmte rote Hund; mehr oder weniger das einzige Boot im Hafen von Chaumont, an prominenter Stelle angelegt und dies seit geschlagenen neun (9!) Monaten und zwei Tagen.

Nun haben wir definitiv ein neues Kapitel aufgeschlagen. Wieder den Fahrtwind um die Nase spüren, die alt bekannten Handgriffe auszuführen, eine sich wechselnde Landschaft zu durchfahren – all das fühlte sich schlicht und einfach GUT an. Dieser erste Abschnitt war sehr abwechslungsreich; fünf Schleusen, ein Tunnel, eine Kanalbrücke und zwei Zugbrücken. All dies auf gerade 9 Kilometern. Ja, wir gehen es langsam an! Es ist uns nicht wichtig, möglichst weit zu kommen, wir wollen einfach dieses Nomaden-Feeling zurück.

Pflichtbewusst hatten wir am Vortag der Abreise unsere Abfahrt telefonisch bei VNF angekündigt. Kurz darauf stand ein VNF-Mann vor unserer Tür, und gab bekannt, dass sie daran seien die zwei nächsten Haltungen zu Reparaturzwecken abzusenken. In mir kroch kurz etwas wie Panik hoch. Was? Bleiben wir wiederum blockiert? Zum Glück war die Absenkung des Pegels bloss um 30-40 cm geplant, da kommen wir mit unseren 1 Meter locker durch. «Einfach schön in der Mitte des Kanals bleiben, und sonst holen wir euch raus, Anruf genügt!» So ein Spassvogel. Ich hoffe doch nicht. Kaum durch die erste Schleuse waren wir dann aber doch etwas erschrocken; einiges an flachem Ufer war zum Vorschein gekommen und der Ratschlag, in der Mitte zu bleiben wurde umgehend und gerne von uns befolgt!

Alles ging bestens und gleich ab der dritten Haltung, nach dem Tunnel und der zweiten Schleuse, war alles wie gewohnt. Die leichte Anspannung fiel von uns ab und von da an war die kurze Reise ein purer Genuss.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

9 Kommentare zu „Wir sind dann mal weg“

  1. Freut mich sehr, dass ihr wieder unterwegs seid – geniesst es und dass ihr immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel habt! Nun drängt sich natürlich gleich die Frage auf, welche Wasserwege eure Reiseplanung vorsieht?
    Schöne Grüsse, Ruedi

    Gefällt 1 Person

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