Rückschritt in den Winter

Seit 2 Wochen sind wir wiederum im Lockdown. Die nächtliche Ausgangssperre, die wir seit Dezember haben, bleibt bestehen. Da unser Boot unser einziger Wohnort ist, dürften wir unter gewissen Bedingungen zwar fahren, doch bei diesem schrecklichen Wetter würden wir sowieso nicht fahren wollen. Der Wind ist eisig und ganz egal, ob die Sonne scheint, es regnet oder schneit, es ist ungemütlich. Die nächtlichen Temperaturen liegen immer noch weit unter null Grad, die Heizung läuft auf vollen Touren. Vor einem Jahr sassen wir jeden Abend am apéritif auf dem Deck und genossen die Wärme in vollen Zügen. Das scheint jetzt alles weit weg.

Dieser Rückfall in den Winter ist schon ein kleiner Schock. Vor allem nach den Tagen im März mit fast 27°C. Hier im kleinen Park hatte man das Gefühl, es sei Sommer. In der Woche bevor wir alle wieder eingesperrt wurden, wähnten wir uns an einem Urlaubsort. Haufenweise Familien, Paare und Freunde die an den Tischen picknickten, auf einer Decke im Gras saßen oder lagen, oder sogar im Kreis hockten und Shisha rauchten. Jeder ahnte, was da kommen würde, also noch schnell raus und geniessen!

Da wegen dem Lockdown die Capitainerie nicht programmgemäss öffnete, spielen wir hier etwas Capitaines ad hoc., vermitteln zwischen Bootlern und Verwaltung, helfen verzweifelten Campern mit Wasser aus, spielen Auskunfts- und Übersetzungsdienst und Mittler zwischen Gestrandeten und offiziellen Stellen. Wir sind nett und hilfsbereit, aber nicht blöd. Es gibt ja immer wieder Menschen, die sich Auskünfte holen und das Herumtelefonieren gerne delegieren, dann das genaue Gegenteil tun als abgemacht, um sich alsbald dann wieder zu erkundigen, ob man aushelfen könne, da das eigene Französisch eben leider nicht ausreiche … und so. Das geht dann selbst uns zu weit!

Mit dem Impfen geht es in Frankreich endlich vorwärts. Bis jetzt sind über 12 der 65 Millionen Einwohner geimpft. Alle über 55 Jahren können sich jetzt impfen lassen. Meinen ersten Termin habe ich bereits hinter mir, zeitgleich mit dem zweiten Schuss für meinen Mann. Geimpft wird jetzt neu in einer Turnhalle; das sieht dann doch schon eher nach Massenimpfungen aus, also so wie es eigentlich sein sollte. Das ganze Prozedere lief in Etappen ab, von der Anmeldung zum kurzen Gespräch mit einem Arzt, dann ins Impfzelt und schlussendlich in die Zone, wo man gebeten ist, sicherheitshalber noch eine Viertelstunde zu warten, um eventuelle allergische Reaktionen ausschliessen zu können.

Die Mutanten haben auch hier extrem zugenommen. Über 75% der Virusstämme sind die der Englischen Mutation und 8% der Südafrikanischen und Brasilianischen. Der Arzt meinte, es sehe im Moment so aus, dass jährlich nachgeimpft werden müsse um die Wirksamkeit der Impfung auf die neuen Mutationen auszudehnen. Das Tragen der Maske bleibt uns wohl noch lange erhalten!

Irgendwie gewöhnen wir uns an das Leben mit gewissen Einschränkungen, das Warten auf Besserung, auf Öffnungen oder wenigstens Lockerungen. Ungeduldig sind wir nicht, aber wir wünschten uns endlich das strikte Befolgen der wissenschaftlich empfohlenen Massnahmen, damit das Virus erfolgreich eingedämmt werden kann und einen internationalen Konsens.

Wir haben genug vom ewigen Wischi-Waschi, Hin-und her, Auf und Ab, vom Versuch gewisser Politiker, sich mit irrwitzigen Forderungen oder Behauptungen zu profilieren, von den vielen selbsternannten Spezialisten, von Schwurblern und Leugnern, dem Missachten der Wissenschaft. Wir wünschten uns mehr Gleichmut, Empathie und Verständnis, und weniger Ungeduld, Egoismus und kurzzeitigem Denken. Das wäre schön.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Rückschritt in den Winter“

  1. Hallo Ihr Lieben, es tut uns so leid, dass ihr nicht fahren könnt. Eure Geduld wird ja wirklich auf eine sehr harte Probe gestellt. Wenigstens habt ihr es wieder warm im Schiff. Tröstet nur bedingt, ich weiß, aber ich habe mir fest vorgenommen, in 2021 mehr positiv zu denken. Es ist alles so ungewiss und könnte schon lange in normalen Bahnen sein, wenn sich die Menschen nicht so wichtig nehmen würden. Da macht unsereins mit und meidet Kontakte, trägt die Masken, hält Abstand usw. und dann kommen andernorts 20000 Menschen zum Demonstrieren zusammen. Eine Demo, die man mit normalem Menschenverstand verbieten müsste und nicht tut. Es könnte sonst zu Eskalationen kommen, die man vermeiden will. Ok, ich rufe nächste Woche all meine Freunde, Familie und Bekannte zu einer Demo gegen Corona zusammen…jeder bringt was mit und wir treffen uns auf der Rheinwiese. Zusammnensitzen mit mehr wie einem Haushhalt ist zwar verboten, aber Demos nicht. Finde den Fehler. Ach so…positiv bleiben. Nein, ich mache das nicht, denn ich möchte meinen Freunden keinen langen Anfahrtsweg zumuten.
    Wieder ein Lockdown in Frankreich, der es in sich hat. Und ihr mitten drin. Ob ihr noch ein Jahr an Eurem Ort bleibt? Wir hoffen, das möge Euch erspart bleiben. Und so drücken wir die Daumen, dass es doch weitergeht. Positiv betrachtet? …..ähm, gut….es kann nicht alles gleich gelingen.
    Vielleicht sehen wir uns jetzt doch. Denn entgegen meiner Nachricht an Claude, dass wir Richtung Wien wollen, ergaben sich Änderungen. So sind wir dann im Juli doch wieder in Richtung Elsass/Lothringen unterwegs. Je nach VNF Lage vielleicht nach Verdun oder noch einmal Vogesenkanal und Rhein-Rhone-Kanal. Man wird sehen.
    Bleibt gesund und wohlgemut. Positiv betrachtet sind 10 km Umkreis besser wie gar nichts.
    Bisous Peter und Sabine von der YOUK

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    1. Elsass/Lothringen?! Super, dann sehen wir uns vielleicht doch noch. Irgendwie und irgendwann können wir dan schon los 🤞 Danke für deinen langen Kommentar, lieben Gruss an Beide und bleibt brav, genau wie wir auch 👍.

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