Heizungs-Story, das Ende

End of story, hoffentlich! Es wäre nun wirklich an der Zeit nach unserer Pechsträhne! Denn pünktlich zum schönem und sehr mildem Wetter, haben wir unsere Zentralheizung zurück.

C’était une galère, würde ein Franzose sagen, es war extrem mühsam. Aber wie kam es überhaupt zu so einem andauernden Problem? Ganz einfach, am Anfang ging es um einen Irrtum!

Der Chefelektriker an Bord, der von vielem fundierte Kenntnisse hat, in punkto Elektrik aber kaum, wollte den Thermostaten, der schon einige Wochen nicht mehr so richtig wollte, auswechseln. Am 25. Dezember. Er übersah, dass der mit Niedervolt und nicht mit 220V angeschlossen wird. Peng. Es hat so geknallt, dass ich fast vom Stuhl kippte. Von da an war tote Hose, auf dem Boot, an unserer Versorgungssäule und im ganzen Hafen. Genauer, weder die Sicherungen an Bord, noch die der Säule haute es raus, nur die Hauptsicherung des Hafens. Der Pikettdienst-Mann war sehr nett und aktivierte alles wieder. Am Weihnachtstag. Die Heizung jedoch war und blieb tot.

Wir holten unsere beiden Radiatoren, die wir in Zeiten vor dem Thermostat als Nachtheizungen benutzt hatten, aus den Tiefen des Boots herauf. Die kamen jetzt sehr gelegen, brachten die Temperaturen im Boot jedoch nur knapp auf’s Erträgliche. Ein Dritter musste her, für jeden Raum einer. So konnten wir überleben. Abends wurden jede Menge Kerzen angezündet, alle schön in Metall-Laternen oder Windlichtern versorgt; wir wollten ja nicht noch ein zusätzliches Problem kreieren!

Unser alter Brenner war seit dem letzten Winter bei einer Servicestelle von Webasto, der Marke der Heizungsanlage, in Revision. Leider hatten wir das etwas aus den Augen verloren und den Sommer über völlig vergessen. Nobody is perfect. Nun erinnerten wir uns an unsere Reserve-Anlage, die, so stellte es sich anfangs Januar heraus, natürlich noch nicht revidiert war. Zudem waren wir unterdessen ziemlich weit weg von Besançon, wo die Ersatzheizung noch in irgend einem Regal lag. Nun denn, wir machtem dem Webasto-Mann Dampf und mussten sie holen; mit einem geliehenem Auto, auf der Rückfahrt Panne auf der Autobahn (ha, ha). Das wertvolle Stück schaffte es endlich aufs Boot und lag nun für den Einbau bereit. Nun mussten wir nur noch jemanden dazu bewegen, uns das Ding einzubauen (‚das Knie‚ erlaubt es nicht, in die hintersten Winkel zu kriechen). Ende Januar waren wir soweit.

Die Freude herrschte ziemlich genau 12 Stunden. Am Morgen des folgenden Tages machte ich in der Früh Kaffee und die Heizung ging gerade an. Eine riesige Dampfwolke entstieg vor meinen Augen. Zum Glück draussen und nicht etwa IM Boot. Ich hastete an den Schalter und rief um Hilfe, respektive brauchte ich dringend einen Zeugen. Der Nebel ums Boot war so dicht, wie wohl in London zur Zeit der Kohleheizungen. Es waren nicht Abgase, wir konnten fast keinen Geruch ausmachen.

Die Öl-Radiatoren wurden wieder in Dienst genommen. In den Tagen darauf fielen die Temperaturen ins Bodenlose. In der Nacht hatten wir manchmal keine 10 Grad mehr im Boot. Eigentlich war mir das egal, mein Blick war mehr auf die Temperaturen in der Bilge gerichtet. Die Eisschicht ums Boot verhiess mir nichts Gutes. Meinem Mann machte das keine Sorgen, ich hingegen sah uns schon mit geborstenen Leitungen, Wasser im Schiffsbauch und langsam in die eiskalten Fluten sinken. Ja, ich bin manchmal etwas melodramatisch, zum grossen Kopfschütteln von meinem Liebsten, ich gebe es ja zu. Diese eisigen Tage und Nächte zogen sich ziemlich zähe dahin und ich war noch nie so besessen von einer Temperaturanzeige!

Das Strom-Management wurde langsam zur Belastung. Für ein paar Tage eine Ausnahmesituation zu erleben, geht noch. Das hat ja auch den Geschmack eines Mini-Abenteuers. Mit den 3 Radiatoren in Dauerfunktion wurde es schwierig. Sie verbrauchten praktisch den ganzen, von der Versorgungssäule zur Verfügung stehenden Strom von 16 Amp./ 3520 Watt. So verblieben für Kochen, Backen und Waschen nicht mehr viel übrig. Wir waren dauernd am Rechnen und hingen mit einem Auge ständig an den Anzeigen. Einmal falsch gerechnet und zum Beispiel ganz harmlos noch etwas Heisswasser entnommen, genügte um das System zu überlasten. Der Boiler wird veranlasst, neues Heisswasser zu produzieren, und schon ist man über’s Limit! Uns ist so ein Malheur zweimal passiert. Das Boot zieht in so einem Fall mehr Strom als es von der Säule her erlaubt wäre, die Steckdosen (für Bootler: normale Haushaltssteckdosen hier in Chaumont!!!) an der Säule schmelzen (sic!) und zack – der Sicherungsschalter kippt um und nix geht mehr! Meistens passiert so etwas, wenn alle Läden geschlossen sind. Wir haben jetzt auch noch einen Lagerbestand an Steckdosen an Bord.

Alles musste genauestens dosiert und abgewogen werden: wollen wir jetzt lieber Essen oder Duschen? Wollen wir nun wirklich Waschen/Trocknen und dafür ein paar Stunden frieren? Strategie und Taktik waren gefragt. Die Standardfrage wurde zu: „Ich fange jetzt an zu kochen, was ist alles am Laufen???“

In der Zwischenzeit kontaktierten wir alle möglichen Adressen, die uns hätten helfen können, aus unserer misslichen Lage zu kommen. Die nächstliegende Werft ist in Vitry-le-François, 110 km per Boot, also schon 4 Tage Fahrt, ohne Heizung, selbstverständlich. Für die Radiatoren brauchen wir Landstrom. Die Werft lehnte es rundweg ab, jemanden zu schicken und Heizung sei sowieso nicht ihr Spezialgebiet. Der Gerätelieferant war absolut keine Hilfe, auch sonst gestaltete sich die Suche schwierig. Endlich wurden wir in Toul fündig; die Werft da macht externe Wartungsarbeiten und Pannenhilfe und war bereit zu kommen. Eine Woche später, pünktlich zum Wetterumschwung wurde die Heizung von einem sehr netten, ruhigen und kompetenten Mann repariert. Es war der Kessel, der hatte einen Riss und eine kleine Menge des Frostschutzes – ja, das Heizsystem ist mit Frostschutz und nicht mit Wasser gefüllt – lief irgendwo hin, wo sie verdampfte und diese Riesenwolke produzierte.

Seit jenem Tag läuft alles rund und es war bis gestern jeden Tag gegen 20 Grad warm, und das im Februar. Die Nächte werden jetzt wieder frostig und – bitte Daumen drücken – wir werden, die angenehmen Innentemperaturen BEWUSST geniessen, da könnt ihr Gift drauf nehmen!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

4 Kommentare zu „Heizungs-Story, das Ende“

  1. Wow, was für eine Story! Danke, dass du sie mit uns Lesern teilst. Jetzt weiss ich gar nicht ob man euch nun eisiges Wetter wünschen soll, um die neue Heizung geniessen zu können?!
    Dennoch, schöne und warme Frühlingstage wünsche ich euch.
    Ruedi

    Gefällt 1 Person

  2. Eine harte Zeit gut überstanden, Kompliment, und gleichzeitig viel gelernt!
    Geniesst den kommenden Frühling und euer unkonvenzionelles Heim doppelt ….
    and keep on being happy
    Sylvia

    Gefällt 1 Person

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