Kulturschock XI: Krankenversicherung

Vor mehr als drei Jahren sind wir nach Frankreich ausgewandert. In der Schweiz haben wir absolut nichts mehr. Mit einer einzigen Ausnahme: der Krankenversicherung.

Wir hatten es damals, als wir Tonnen von Entscheiden fällen mussten, als das Beste erachtet, unsere bestehende Versicherung in eine mit internationaler Deckung umzuwandeln. Für die Grundversicherung ist das kein Problem. Die Schweiz hat mit Frankreich ein bilaterales Abkommen und nach Anmeldung beim französischen System erhielten wir – nach eher langer Wartezeit – unsere carte vitale, die Versicherungskarte. Seither läuft die Sache wie eine gut geölte Maschine.

Die Krux liegt bei der internationalen Zusatzversicherung. Diese zahlt nämlich – das haben wir erst im letzten Jahr nach der OP meines Mannes herausgefunden – nur für Behandlungen in der Schweiz. Ist man wohnhaft im Ausland und möchte voll entschädigt werden, muss man zwingend für solche Fälle in die Schweiz zurückkehren und sich da behandeln lassen. Das macht überhaupt keinen Sinn, denn kaum ein Land hat ein teureres Gesundheitswesen als die Schweiz!

Wir haben also drei Jahre lang für etwas bezahlt, das wir gar nie in Anspruch nehmen wollten oder konnten. Klar hätten wir gleichzeitig zur Einwanderung sofort (und nur dann!) komplett ins französische Krankenversicherungs-System wechseln können, aber damals wussten wir dies nicht. Ausserdem hat dies einen Haken: Bei einer späteren Rückwanderung ins Heimatland muss man sich neu um eine Aufnahme bewerben, denn für die schweizerische Zusatzversicherung besteht kein Aufnahmezwang (Grundversicherung hingegen schon). Ältere, vorerkrankte oder eingeschränkte KandidatInnen haben da keine Chance! Den ellenlangen Fragebogen muss man korrekt ausfüllen und jede kleinste und grössere Vorerkrankung angeben. Deshalb wollten wir gar nicht austreten.

Nun da wir realisiert haben, das es unsinnig ist, für Operationen in die Schweiz zurückzukehren, kam die Grundsatzfrage auf: Nach Frankreich in eine assurance mutuelle wechseln und akzeptieren, dass wir nie mehr in eine Zusatzversicherung der Schweiz aufgenommen werden würden oder zähneknirschend den Vertrag so belassen wie er war und viel Geld für null Leistung bezahlen. Wir liessen uns beraten und stellten fest, dass wir durch den Wechsel in eine französische Kasse einige Tausender pro Jahr würden sparen können, dies bei grundsätzlich besseren Leistungen. Die grosse Frage war nur, ob wir je ins Heimatland zurückkehren werden / würden / wollen.

Wir liessen mal die Unterlagen kommen; als Schweizer zweifelten wir daran, dass wir überhaupt aufgenommen würden. Denkste. Ein einfacher Bogen mit 5 abgestuften Vorschlägen lag vor uns. Es galt bloss anzukreuzen, welche Dienstleistungen man wünsche, und dann bitte unterschreiben. Keine einzige Frage nach dem Gesundheitszustand! Wir waren baff. Zudem ist viel mehr versichert als in der Schweiz, wo wir vieles am Ende doch noch selbst bezahlen müssen, insbesondere Zahnmedizin und Optiker. Da lassen sich Brücken doch gleich etwas leichter abbrechen! Gültig war die Versicherung dann sofort, auch wenn die Zahlungen erst ab dem neuen Jahr fällig wurden. Grosszügig und für uns Schweizer unglaublich!

Wir fällten diesen gewichtigen Entscheid und sind nun also endgültig in Europa angekommen. Die Schweiz ist zwar ein Nachbarland, jetzt aber gleich noch etwas weiter weg.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Kulturschock XI: Krankenversicherung“

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