Am und im Fluss

Rivers do not flow past but through us; tingling, vibrating, exciting every cell and fiber in our bodies, making them sing and glide.

John Muir

Wasser – Fluss – See –  Meer. Wasser ist elementar für den Menschen. Zum Trinken und Waschen,ja, aber auch nur so zum Anschauen, Geniessen, Träumen, Sinnen, Abschalten!

Ich liebe Wasser, vor allem fliessendes Wasser. Das Meer kommt und geht, zieht sich zurück, spült sich wieder an den Strand oder klatscht an die Felsen. Es hat etwas kraftvolles, fast brutales. Die Bewegungen sind wiederholend, hin und zurück, hin und her. Ein Fluss ist anders. Er fliesst einfach, immer kommt noch mehr Wasser und alles fliesst, gemächlich und beständig. Scheinbar immer gleich, und eben doch nicht. Es ist stets anderes Wasser, als was durchgeflossen ist, dasselbe kommt nicht mehr zurück. Wie im Leben, da kommt auch nichts wirklich zurück.

Hier am Kanal geht es noch gemächlicher zu. Die Fliessgeschwindigkeit liegt bei geschätzten 2 Kilometern pro Stunde, vielleicht noch weniger. Jetzt im Herbst wo die gelben und roten Blätter in den Kanal fallen und träge an uns vorbei ziehen um dann langsam zu entschwinden, können wir das etwa abschätzen. Wobei wir natürlich bloss das Oberflächenwasser sehen, ich könnte mich also auch täuschen.

Wenn wir kochen oder die Küche aufräumen schauen wir durch ein grosses Fenster hinaus aufs Wasser. Wir können arbeitend den Kringeln und Wirbeln nachsehen, die Lichtreflexe, das Glitzern und die Spiegelungen bestaunen und oft muss ich mich zurückhalten, nicht schon wieder und zum tausendsten Mal ein Bild zu schiessen. Denn auf den Bildern sieht man das, was mich wirklich bewegt, nicht: Ruhe, Gleichmut,  Freude, gute Laune, Glück! Ja, Wasser ist gut für Körper, Seele und das Auge; Wasser macht glücklich!

Steh ich an einem fliessenden Gewässer, habe ich oft das Gefühl, als komme von oben das Glück in einer goldenen Barke zu uns heran und von uns weg fliessen die Sorgen wie kleine Papierschiffchen davon. Manchmal kommt eine einprägsame Erinnerung herauf; von einem Ereignis das Jahrzehnte zurückliegt. Vor Jahrzehnten besuchten wir ein Volksfest in Nepal am Sunkoshi River, nicht weit von der tibetischen Grenze. Da übergaben tausende von Nepalesen kleine Bastschiffchen mit Öl-Lichtern dem Fluss. Das Meer an tanzenden Flämmchen in stockdunkler Nacht war so was von schön, noch heute kriege ich eine wohlige Gänsehaut! Was diese Geste bedeutete habe ich vergessen, aber das wundersame Gefühl und die Eindrücke von damals hielten über all die Jahre an. Vielleicht sollten wir in der westlichen Welt auch ab und zu unsere Wünsche oder Kummer und Sorgen kleinen Schiffchen anvertrauen und sie dann auf die Reise flussabwärts und auf Nimmerwiedersehen schicken? Ich denke, das könnte Balsam für unsere Seelen sein, wenn wir zusehen könnten, wie kleine Wellen unsere und plagenden, innerste Gedanken und Sorgen davontragen.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

5 Kommentare zu „Am und im Fluss“

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