Guter Entscheid

Wir sind nun froh, haben wir die Weiterfahrt nach der Wiedereröffnung unseres Kanals nicht in Angriff genommen. Wir wären aus zwei Gründen wiederum gestrandet. Einmal wegen des immer noch geschlossenen Nachfolgekanals, den wir zwingend hätten befahren sollen und dann auch wegen dem erneuten Lockdown. Aus unserem Zufluchtsort, an dem wir während der Wasserknappheit im August und jetzt während des confinement geblieben sind, wird auch unser Überwinterungs-Ort werden. In meinen schlimmsten Träumen hätte ich nicht voraussehen können, dass uns das so passieren wird; eine Fahrsaison von gut 2 Monaten ist wirklich arg kurz!

Wir beklagen uns da auf hohem Niveau, dies sind wir uns schon bewusst. Der Hafen hier ist normalerweise im Winter geschlossen. Die Betreiberin hat sich nun grosse Mühe gegeben, uns den erzwungenen Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Erst hat sie uns den elektrischen Anschluss massiv verstärkt; wir können jetzt praktisch alle elektrischen Geräte zeitgleich laufen lassen und fühlen uns dadurch extrem verwöhnt. Heute waren zudem zwei Monteure da und installierten eine Rohrheizung für die Wasserversorgung. Wir werden also keine Versorgungsunterbrüche wegen winterlichen Minus-Temperaturen haben und unseren Frischwassertank füllen können, wann immer er halt leer wird. Solchen Luxus hatten wir bislang noch nie!

Das Wetter verwöhnt uns auch; es ist tagsüber mild und oft wolkenlos. Ab und an liegt etwas morgendlicher Dunst über dem Wasser. Der Betrieb auf dem Kanal ist bloss für die plaisanciers, die Freizeitschiffer, eingestellt. Fast täglich kommen beladene Frachtschiffe von Norden und Leere von Süden her hier durch. Jedes ist auf seine Weise faszinierend. Diese, für Kanalmassstäbe, Riesen fahren leise und mit kaum einem Wellenschlag an uns vorbei. Ein kurzes, freundlichen Winken, manchmal erblicken wir Bordhunde oder -Katzen, und schon sind sie um den nächsten Kanalbogen entschwunden. Ausser, wie dies mein Mann tut, man schwingt sich auf den Radsattel und fährt ein paar Kilometer mit, um Bilder zu machen.

Ein paar verirrte Privatboote waren auch noch unterwegs. So hat ein Deutscher, der sein Segelschiff von Lübeck nach Mallorca überführt, nichts vom Lockdown mitbekommen, ist noch gut 10 Tage weitergefahren und schlussendlich hier von VNF (Voies navigables de France) festgesetzt worden. Weiter hat es einen Zollbeamten, der mit seinem Wohnboot unterwegs an die neue Arbeitsstelle in Paris war, erwischt. Der liegt jetzt auch hier.

Gestern spürten wir an den Sog-Bewegungen des Wassers, dass wiederum etwas Grösseres in Anfahrt ist und stellten dann erstaunt fest, dass belgische Freunde von Auxonne an uns vorbeifahren und etwas weiter unten anlegen. Totale Überraschung, grosses Hallo und riesige Freude! Natürlich können wir jetzt nicht einfach so zusammen sitzen, leider. Aber in respektvoller Distanz geht das Neuigkeiten austauschen ja auch. Wir passen uns einfach an die neuen Gegebenheiten an. Sie haben eine Sonderbewilligung zum Fahren, weil ihr tolles 25-Meter-Boot nach Belgien zur Werft muss und sie da auch den Wohnsitz haben. Ich beneide sie schon etwas, vor allem jetzt bei diesem fantastischen Herbstwetter muss diese Reise absolut toll sein! Tja, man kann nicht alles haben.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Guter Entscheid“

  1. Wir, die Besatzung der JOLLY, waren ab 2007 bis Sommer 2019 jeden Sommer 4 – 6 Monate unterwegs — waren ?? Diesen Sommer blieb das Boot in Saint Usage und wir in der Schweiz. Mary ist Risikopatientin und ich bekam ein neues Knie. ‚La vie en bleu‘ ist ein wunderbarer Beitrag der das vorübergehende Landleben von uns ‚Wasserratten‘ etwas aufhellt. Ihre Berichte sind identisch mit unseren Wahrnehmungen als Wasserzigeuner. Wenn Gott will, sind auch wir ab Frühling 2021 wieder mit unserer JOLLY unterwegs. Vielleicht treffen wir uns irgendwo auf einen Schwatz bei einem Glas Wein.
    An welchem Anleger überwintert ihr jetzt? Wir haben das nicht mitbekommen.
    Grüsse aus der Schweiz, Mary & Peter mit Bordhund Zibo

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen Dank für diesen Kommentar und schade, haben wir uns noch nie getroffen. Wir waren jetzt drei Jahre in Ihrer Gegend unterwegs. 2020 war (und ist noch) ein seltsames Jahr. Ich hoffe für uns alle wird sich dies im 2021 normalisieren. Wir liegen in Chaumont am Canal Champagne-Bourgogne und sind langfristig Richtung Norden unterwegs. Wer weiss, vielleicht schaffen wir es trotzdem mal auf ein Glas Wein?! Alles Gute und viele Grüsse, Suzy

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