Über und durch den Berg

Letzte Verschnaufpause unten im Tal. Wobei, von Tal merken wir auf dem Kanal nicht so viel. Hier in Frankreich hat das Wort Tal eine völlig andere Bedeutung als im Heimatland; es ist einfach die Region zwischen zwei Erhebungen mit einem Flusslauf. Die Abhänge können durchaus zig Kilometer weit weg und damit unsichtbar sein. Das ist für Schweizer etwas ungewohnt.

Nun, auf jeden Fall übernachteten wir ein letztes Mal im Tal der Vingeanne um dann am folgenden Morgen die Schleusentreppe vor dem Tunnel und den Tunnel selber in Angriff zu nehmen. Die Schleusen waren peanuts. In Schleusentreppen hat man normalerweise freie Fahrt von Einer in die Andere, alle sind so gesteuert, dass keine Wartezeiten anfallen. Sehr bequem. Jede der Schleuse hievte uns gut 5 Meter höher, 8 mal insgesamt. Da sitzen die Handgriffe: einfahren, an den in der Mauer eingelassenen Pollern festmachen, nach zweieinhalb Metern Hub Leine auf die Poller am Schleusenrand wechseln, sobald die Tore öffnen, lösen und los in die nächste Schleuse, dasselbe von vorn. Praktisch ist, dass alle diese Schleusen fast identisch angelegt sind, die Poller am exakt selben Ort positioniert sind. Das ist ja sonst fast bei jeder Schleuse individuell. Die Erbauer wollten wohl auch ein wenig Abwechslung. Einmal passt die Distanz zwischen den Pollern besser backbords, ein andermal steuerbords zu unserer Länge. Nun ja, da können wir wenigstens unsere neue Intercom nutzen (seit wir die haben gibt es kein Geschrei mehr an Bord, wir flüstern jetzt!).

Auf der Scheitelhaltung lernen wir eine der Damen von VNF kennen, die uns so nett geholfen haben, sobald einmal etwas in den 43 Schleusen, die wir in diesem Kanal bis jetzt bewältigt hatten, nicht rund lief. Sämtliche Schleusen auf diesen 224 km werden mit einer Fernsteuerung, die uns bei der ersten Schleuse übergeben wurde, gesteuert. Aber nicht immer gehorchten die Tore oder der Schleusenmechanismus einwandfrei. Abhilfe wurde stet innert Minuten gewährleistet.

Wir konnten sogar endlich wieder etwas Wasser tanken! Mit einem einfachen Gartenschlauch, der dort am Schleusenhäuschen hängt. Wir waren vor 10 Tagen mit 2000 Litern gestartet, waren sogar während 3½ Tagen zu viert auf dem Boot, und der Tank war immer noch knapp halbvoll. Wir können also absolut Wasser sparen, wenn es wirklich sein muss! Auch unsere Unabhängigkeit in Bezug auf Strom wurde ausgetestet. In den vergangenen 12 Tagen hatten wir bloss einmal einen Stromanschluss. Geht doch -Grill sei Dank.

Nun, ganz oben angelangt, lag immer noch ein Hügel vor uns. Also nix wie los und ab in den Tunnel. Dem Grossen gefiel das überhaupt nicht, wir mussten ihn anbinden. Derweil machte es sich die Kleine gemütlich, sie verschlief die ganzen 4821 Meter! 1 ¼ Stunden verbrachten wir in diesem Loch; die erlaubte Geschwindigkeit war 4 h/km. Über eine Stunde höchste Konzentration! Zum Notgehweg blieben uns 50 cm und gegen die Tunnelwand etwas mehr Luft, aber da machte uns die Wölbung etwas Sorgen. Ich hatte ständig Bedenken, ein allfälliges Streifen würde uns die Bimini-Vorrichtung abreissen. Alles ging gut, aber wir waren heilfroh nach über einer Stunde wieder Tageslicht zu sehen! Und ein wenig stolz waren wir auch.

Wir schafften es dann gerade noch bis Langres, in der Hoffnung auf Wasser und Strom. In Hueilley-Cotton (ganz einfach ausgesprochen Öié-Cottong – ich weiss auch nicht, weshalb Französisch eine so schwierige Schreibweise mögen!) hatten wir nicht gewagt, den Tank zu füllen, dies wollten wir hier tun. Wasser gibt es, Strom eigentlich auch. Jedoch bloss dreimal am Tag für eine Stunde und erst noch nur 5 Ampère. Wir lassen es sein, wir wollen ja die Installation hier nicht gerade sprengen mit unserem Energie-Appetit. Bis auf Weiteres muss uns also der Motor die Energie liefern, dh. mindestens alle drei, vier Tage mehrere Stunden fahren. Das sollten wir Faulpelze schaffen 😉

 

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

5 Kommentare zu „Über und durch den Berg“

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