Wir fallen durch Zeit und Raum

Wie immer, wenn wir unterwegs sind, fängt die Zeit an sich zu dehnen! Wir sind erst vor acht Tagen los und doch haben wir das Gefühl, schon wochenlang unterwegs zu sein. Sobald wir die Leinen gelöst haben, fallen wir irgendwie durch die Zeit. Es gibt keine Stunden und Tage mehr, keinen Fahrplan und keine Agenda. Wir essen wenn wir Hunger haben und schlafen wenn wir müde sind. Wenn schon, dann gibt der Fluss oder der Kanal den Takt an. Auch Gäste entspannen sich innerhalb von Stunden total. Viele werden erstmal sehr müde, schlafen sich aus und sind dann so tiefenentspannt, sie können es selbst kaum glauben. Auf einer Bootsfahrt – vor allem wenn man stundenlang bloss das Wasserrauschen, die Vögel und den Wind hört und dabei ins Grüne schaut (und vielleicht auch einmal in ein Glas) kann man herrlich runterfahren. Sorgen und Probleme, Termine und Pläne werden erst etwas unwirklich und lösen sich dann unhaltbar auf und entschwinden. Man fragt sich dann auf einmal, warum man sich bloss so aufgeregt hatte, oder was einen bis vor kurzem so bedrückt hatte. Wunderbar!

Bei der Einfahrt in diesen Kanal wussten wir nicht so recht, was uns erwartet. Er ist nicht sehr populär, vor allem wohl auch deshalb, weil es hier keine Bootsvermieter gibt und dementsprechend selten von Ferienbooten befahren wird. Er ist jedoch eine wichtige Verbindung vom grossen Kanal- und Flussnetz Nordfrankreichs zu der Saône und damit zu der Rhone und dem ganzen Süden hin. Daher sind hier auch kommerzielle Boote mit maximaler Länge von 38,5 Metern unterwegs.

Selten mal konnte uns jemand Auskunft über diese doch eher lange Strecke von 224 km aus eigener Erfahrung geben. An Hörensagen-Infos fehlte es nicht, aber die sind eben nicht so zuverlässig und mit Vorsicht zu geniessen. Freunde von uns befuhren ihn in der selben Richtung wie wir jetzt im letzten Sommer und sie fanden ihn ganz toll. Andere warnten vor dem üppigen Algenteppich. Nun sind wir selber drin, hatten während drei Tagen Gäste mit an Bord, und wir sind uns alle einig geworden: wenn man sich gut selbst versorgen kann, einen angenehm grossen Kühlschrank, Tank und gute Stromversorgung hat, und vor allem keinen Rambazamba erwartet, ist der Canal Entre Champagne et Bourgogne zwar so lang wie sein Name, aber auch sehr reizvoll.

Zur Zeit, wir machen gerade wieder mal eine Pause, liegen wir im romantischen Dommarien, einem Dorf im Dornröschenschlaf. Hier müssen einmal hunderte von Menschen gewohnt haben. Heute sind es gemäss Maire noch knapp 170 Einwohner. Dabei liegt das leicht hügelige Dorf, in dem es keine einzige gerade Strasse gibt, das über viele vernachlässigte, aber hübsche Steinhäuser, zwei Waschhäuser, eine schöne Kirche und ein paar etwas herrschaftlichere Häuser verfügt, äusserst hübsch. Die Gemeinde gibt sich Mühe Strassen, Brücken und Plätze mit Blumen zu bepflanzen, es ist rundum sehr grün mit vielen Bäumen, romantischem Flüsschen und dem Kanal inklusive. Es gibt einen kleinen, schattigen und von alten Mauern umgebenen Campingplatz, einen fast antiken Minigolf, liebevoll von Hand gebaut, einen Sportplatz und einen kleinen Anlegeplatz für die Boote. Alles im üppigen Grün gelegen, sauber und gepflegt. Eigentlich ein Ort zum Bleiben!

Das Wetter ist zwar im Moment kühl und sehr trüb, aber wir geniessen es nach den vergangenen heissen Tagen! Leider gib es nicht so tolle Bilder, aber unsere Hunde finden die Temperaturen topp, und Bilder sind ihnen eh egal!

Morgen soll es weitergehen, die lange Tunneldurchfahrt rückt damit etwas näher!

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

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