Wir haben’s geschafft

Kirche, Kaserne und der Hafen von Norden aus gesehen. Im Vordergrund sie Saône mit üppigem Uferbewuchs und den Seerosen

Wir haben unseren eigentlichen Winterplatz verlassen und sind von Ponton D nach Ponton A, geschätzte 250 Meter, gefahren. Immerhin ein Anfang.

Vorgesehen war dieser Wechsel schon längere Zeit. Der der Hafenausfahrt am nächsten liegende Steg A hat die tollste Sicht. Im Winter ist der jedoch nicht überflutungssicher und daher liegen bloss unbewohnte Boote hier. Aber jetzt sind wir nun hier angelangt. Diese kleine Fahrt hatten wir immer wieder verschoben, zwischenzeitlich wieder etwas vergessen und dann letztes Wochenende dem Hafenmeister definitiv angesagt. Bingo: Wir hatten für dieses Miniprojekt die windigste Woche seit langem ausgesucht!

180° Sicht vom Deck aus, freie Sicht auf die Wehranlage, die Kasernengebäude, Napoleon hat hier seine Ausbildung gemacht, und den Fluss
180° Sicht vom Deck aus

Bloss nicht aufschieben! Bevor mein Mann überhaupt Pieps sagen konnten, war ich schon aufgesprungen: „Ja, geht klar! Ein paar Minuten und wir legen ab.“ Voilà, fait accompli, Tatsachen schaffen, sonst geht wieder nix! Im Nu waren wir bereit, hatten das Ablegemanöver unter uns abgesprochen – wir haben empfindliche Ecken am Heck, da ist schnell der Lack ab wenn wir streifen -, und los gings. Der Capitaine kam zu uns an Bord, stand am Heck, bereit falls nötig Hand anzulegen. Ich am Bug zum selben Zweck und der zweite Mann, Capitaine B, begleitete uns in einem Dinghi. Entweder machte der böige Wind gerade mal eine kleine Pause, oder wir waren derart fokussiert auf all die Buge und Hecks, die da weit herausragten, dass wir den Wind völlig vergessen hatten. Über 10, 15 Meter schlüpften wir gerade so durch, auf jeder Seite nicht einmal einen Meter Abstand zu den teils giftigen Buge! Die Wendungen danach waren Peanuts. Wir wanden uns in einem grossen S durch den Hafen und legten wiederum Heck voran (he, aber sauber und ohne hin und her!) in unserer neuen Bucht an. Der (mein!) Mann am Steuer strahlte.

Die freiliegende Wasserfläche zwischen den beiden voll besetzten Stegen D, dem hintersten, und Steg C, ist extrem schmal. Die spitzen Buge und Hecks der Boote bilden steuerbords und backbords wie ein Spalier, dazwischen zum Teil bloss 6 Meter. Wir mit unseren 4,5 Metern Breite kommen da gerade so durch. Besser aber ohne Seitenwind! So werweissten wir jeden Tag; sollen wir heute oder warten wir noch auf einen besseren Tag. Vorgestern nun stand der Capitaine, der Hafenmeister, mitten in unserer abendlichen Apéritf-Stunde plötzlich am Boot und fragte: „Na, wollen wir mal, wir sind zu zweit und haben gerade etwas Zeit.“

Ha, das hier ist etwas ganz anderes: statt eingeklemmt zwischen den vielen Booten rundum haben wir freie Sicht auf den Uferweg und den breiten Fluss, auf die alten Vauban-Wehrmauern und auf der anderen Stegseite die noch leeren, auf die Sommergäste wartenden Anlegebuchten. Als Nachbarn bloss Enten und Gänse, Krähen (oder sind es doch Raben?), Bachstelzchen und ein paar Spatzen.

Ab Dienstag dürfen wir sogar wieder uneingeschränkt fahren. Die grosse Bootsgemeinschaft in Frankreich und Alle in den Nachbarländern, die sehnlichst auf die Öffnung gewartet hatten, müssten jetzt alle überglücklich sein! Bald tummeln sich hier wieder Boote und Bootsmenschen. Vorläufig noch die Franzosen und in Frankreich Niedergelassenen, dann ab Mitte Monat auch alle anderen. Einzig die aus Übersee, die Engländer, Amerikaner, Australier und Neuseeländer müssen wohl noch etwas zuwarten, wahrscheinlich kommen viele diese Saison überhaupt nicht mehr her.

Nun ist selbst das vorläufige Hierbleiben anders; wir könnten ja ablegen und abhauen, wenn wir nur wollten! Noch ein paar Tage brauchen wir für genauere Abklärungen. Wir möchten uns absichern, dass die Schleusen und Häfen wirklich öffnen und den Betrieb wieder aufnehmen, und dann, dann werden die Zelte hier abgebrochen! Wahnsinn.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

6 Kommentare zu „Wir haben’s geschafft“

    1. Oh schön! Dann wünsche ich dir eine baldige Realisation deines Traums. Die Entspannung ist garantiert, aber auch hier und da eine kleine Aufregung, wenn etwas auf einmal nicht mehr funktioniert 😉. Liebe Grüsse

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