Kleine Freiheiten

Das ersehnte Ende unseres Hausarrests hat ein paar Veränderungen gebracht, aber das am meist Herangewünschte noch nicht: ich möchte wieder einmal nicht selber kochen und mit einem hervorragenden Essen bedient werden!

Eigentlich sind wir gar nicht so passionierte Restaurant-Gänger. Jetzt aber, nach Wochen und Wochen von Hausmannskost, stelle ich mir das Willkommen heissen, das Tisch Auswählen und sich Hinsetzen, das Menu-Karte Studieren und Auswählen, die freudige Erwartung auf die Speisen und den gepflegten Service als das Paradies schlechthin vor. Natürlich ist mir klar, die Ambiance wird anders sein als je zuvor. Aber gerade auf die innovative Umsetzung des Distanzhaltens bin ich ebenso gespannt; das kann ja eine innengestalterische Herausforderung sein. Ich gehe einmal davon aus, dass sich unsere Lieblingsrestaurants auch diesbezüglich etwas einfallen liessen. Von einfachen Plexiglasscheiben wäre ich jetzt echt enttäuscht!

Stiefmütterchen

Heute schon sind eigentlich alle Geschäfte wieder offen. Ich geniesse es mit dem Rad wieder durch die Hauptgasse zu fahren und alle Blumenläden haben ihre Pflanzen bis weit auf den Gehsteig hinaus adrett zu gekonnter Terrassenkunst angeordnet. Das macht Lust unser Boot auch etwas herauszuputzen und zumindest mit ein paar Farbtupfern zu dekorieren. Der Gewürztopfgarten ist schon recht weit aber notgedrungen natürlich nur in Grüntönen gehalten. Die schon mehrere Jahre alten Agapathus sind wiederum aus der Erde gekrochen, haben bereits 30 cm lange Blätter und zeigen die ersten Knospen. Auf die Blüten muss ich noch etwas warten, bis die Stängel 60 cm lang und die Knospen ausgebildet sind, wird es noch etwas dauern. Dafür sind meine Stiefmütterchen, die ich in einem traurigen Zustand adoptierte, ganz wunderbar. Zwar ist gelb nicht gerade meine bevorzugte Farbe, aber zum blau-weiss des Bootes passen sie ganz schön! Lassen wir sie leben, wir können Pflanzenkinder ja nicht einfach entlieben, bloss weil sie die faschen Farben haben!

Viele werden sich wundern, dass wir immer noch quasi sesshaft sind. Seid versichert, das ist ganz und gar nicht freiwillig! Der französische Staat hat kein Herz für uns Nomaden! Immer noch ist es nicht klar, wann wir dann wirklich – und vor allem selbstbestimmt – losdürfen. Mit einer Miniauswahl von Wasserwegen ist uns nicht geholfen. Wir können ja dann, falls wir wiederum irgendwo fix bleiben müssen und aus welchem Grund auch immer, nicht einfach anhalten und warten bis die Bedingungen besser sind. Ein Boot ist kein Auto. Wir brauchen einen guten Anlegeplatz und Tankstellen für Strom und Wasser, ja, vor allem Wasser! Auch können wir Schwellen nicht umfahren und wenn die Schleusen nicht offen sind, haben wir ganz schnell ein wirkliches Problem. Es ist uns schon klar, dass wir Freizeitskipper keine Priorität haben, aber wir sind ungeduldig und zappelig, Nomaden die man festhält sind so! Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so herumheule, war ich doch bis vor ein paar Jahren noch (relativ) sesshaft. Es muss ein Virus sein. Upps, das ist jetzt ein schlechter Witz.

Ok, zurück zu sichereren Themen. Zum Beispiel Masken. Wir tragen Masken, Stoffmasken, die wir nach jedem Gebrauch auswaschen können. Die, die also überall herumliegen, ob in den Papierkörben, daneben oder in der Natur sind nicht von uns. In viele Läden kommen wir gar nicht herein ohne Maske. So zum Beispiel beim Optiker – ja, ich habe meine neue Sonnenbrille, die Fältchen um die Augen bilden sich schon zurück, aber vielleicht ist das auch eine optische Täuschung! – und neue, bootstaugliche Sommerschuhe (rutschfeste Gummisohlen!) hab’ich auch. Und einige neue, luftige Sommerkleider, vom Markt. Auch da Masken überall, und Schutzvisiere, oder wie man diesen eigenartigen Plexi-Gesichtsschutz nennen soll. Die Dame am Stand meinte, sie schwitze viel weniger mit dem; das leuchtet ein. Mit Maske ist mein Gesicht nach einer halben Stunde bereits ordentlich bedampft, die Brille läuft auch an! Na ja, vielleicht habe ich auch die Maskentechnik noch nicht ganz verstanden. Sie rutscht mir auch ständig bis unter die Augen, man soll doch nicht ständig daran herum fingern!

Was wir da alles erleben; vor ein paar Monaten hätten wir uns dies nicht in denn wildesten (Alb-)träumen ausdenken können! Ich frage mich wirklich langsam, wie versehrt oder unversehrt wir da wieder raus kommen. Und vor Allem wann 🤔

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

7 Kommentare zu „Kleine Freiheiten“

  1. Wann? Noch ziemlich lange nicht.
    Nun werden mit den Lockerungen und den daraufhin folgenden Infektionszahlen praktische und taktische Erfahrungen gemacht, weil man die Krankenhauskapazitäten für besser vorbereitet hält.
    Die Menschen werden leichtsinnig , weil sie in einer Geisteshaltung irgendwo im Spektrum zwischen Arglosigkeit und Trotz meinen, nur weil sie für die persönlichen Freiheit der Entscheidungen demonstriert haben, seien nun die ihnen zur Entscheidung gestellten Freiheiten auch wirklich auszukosten sinnvoll.
    Wo immer möglich, gehen sie über deren Rand hinaus und erste urlaubende Restaurantbesucher haben an der Nordsee in einer bis dahin seit Wochen coronafreien Region durch ihren Besuch Infektionen und Quarantäne-Schliessung des besuchten Betriebs verursacht.
    Nicht sehr super.

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    1. Da hast du leider Recht. Auch hier sehen wir unvorsichtige Leute, allerdings schrecken mich Bilder aus den uns umgebenden Ländern noch mehr. Vor Ort sind die Leute noch gerade zu brav. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es anderswo doch Menschenansammlungen gibt. Wir werden herausfinden, wie sich dies auswirkt 😥

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  2. Sabato sera sono andata in un buon ristorante (tra l’altro la prossima volta che venite dobbiamo andarci assieme – chissà quando 😉). Camerieri con plexiglas, cuochi con mascherine, disinfettante ovunque. Malgrado ciò, garantisco che uscire a cena, con una buona bottiglia di vino, è un‘esperienza fantastica. Chi l’avrebbe mai detto😳.
    😘

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