Fundstücke

Der Lockdown ist ja manchmal etwas mühsam. Übermorgen kommen wir in die sechste Woche und das scheint doch langsam lange. Es hat jedoch auch seine Vorteile; wir kramen so ein bisschen herum und finden lang Gesuchtes und schon ewig Vergessenes! Entdeckungsreise im eigenen Heim!

Ich wollte mich schon lange wieder etwas mit Zeichnen, Kalligraphie und Grafik beschäftigen. Eigentlich hatte ich mir dies im Sommer ’17 vorgenommen, bevor wir auf das Hausboot umzogen. Frisch in Rente würde ich wohl viel Zeit dafür übrig haben, dachte ich! Natürlich kommen nach so einem Wechsel andere Beschäftigungen und Interessen in den Vordergrund und, wie es so ist, diese Pläne gerieten in Vergessenheit.

Nun, schon vor ein paar Wochen habe ich hier davon geredet, dass ich wieder einen Anlauf nehmen und mich mit Kalligraphie beschäftigen möchte. Ich habe auch schon brav mit Bleistiftt den sicheren Strich in einem linierten Heft geübt. Auf die Dauer ist das etwas unbefriedigend, so beschloss ich heute, eine Feder oder ein abgeschrägter Edding muss her! Sofort. Ausgerechnet am Sonntag und im Lockdown natürlich.

Moment mal, ich hatte doch da mal so was!? Da waren doch diese Füllfederhalter, die Vater nach dem Tod unserer Mutter nicht mehr haben wollte. Einen davon hatte ich für mich behalten. Unsere Eltern hatten sich diese Füller in 1955 gegenseitig zur Hochzeit geschenkt. Als Kinder waren wir absolut fasziniert von ihnen, wahrscheinlich nicht zuletzt wegen den vergoldeten Teilen. Wir durften sie uns nur angucken, damit zu schreiben war uns verboten. Alles, was aus der Zeit stammte, als es uns gar noch nicht gab, übte einen ungemeinen Reiz aus! Ich hatte sie trotzdem heimlich ausprobiert.

Wo ist dieser Füller denn jetzt geblieben? Habe ich den etwa doch vor dem Umzug mit den vielen anderen Dingen veräussert?

Aufgeregt suche ich erst einmal an den wahrscheinlichsten Orten und tatsächlich – ich bin ordentlicher als ich es mir in der Regel zutraue – finde ich ihn, sogar ein Glas Tinte ist dabei! Diese muss auch bereits in die Jahre gekommen sein! Ein Blick auf die auf der Verpackung angebrachten Etikette bestätigt: Siswa 1350.- . Siswa ist ein grosser Laden für Bücher und Schreibwaren in Malang (Ostjava, ich hab ihn gegoogelt, es gibt ihn noch!) und der Preis ist in Rupien angegeben. Die Tinte muss also zwischen 1988 und 92 gekauft worden sein. Sie ist bloss ein wenig eingedickt, sonst absolut noch benutzbar!

Erst habe ich den Füllfederhalter total ausgewaschen, dann mit der leicht verdünnten Tinte aufgezogen. Erster Schreibtest. Die Feder gleitet perfekt auf dem Papier, mit leichtem Druck verändert sich die Strichbreite und der Halter liegt toll in der Hand! Meine Handschrift ist noch etwas wacklig und unsicher, aber ich bin so richtig glücklich über das Wiedergefundene! Jetzt kann ich üben, alte und neue Schriften ausprobieren und mein Bullet Journal ganz anders dekorieren als bisher! Aber erst wasche ich mir meine tintenbekleckerten Hände, ich sehe aus wie ein Kind nach der ersten Schreibübung mit Feder und Tinte!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Fundstücke“

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