Vier weitere Wochen Hausarrest

Wir sind schon etwas daran gewöhnt: Ausgangssperre!

Seit gestern Abend verlängert bis und mit 10. Mai. Dann ist geplant, das Land vorsichtig und Schritt für Schritt zu öffnen. Ganz sicher gehört die Wiedereröffnung der Wasserwege nicht zu den Prioritäten, damit müssen wir leben. Eigentlich verstehen wir das gut. Frankreich ist hart getroffen worden, vor allem die Île de France (also Gross-Paris) und der Grand-Est, der östlichste Teil Frankreichs mit dem Elsass und Lothringen, genau dahin wären wir jetzt eigentlich unterwegs. Wir haben uns sehr auf dieses für uns neue Gebiet gefreut. Allerdings sieht es ganz danach aus, dass ein Planen dieses Jahr keinen Sinn macht. Aber Wünsche darf man doch noch haben, und so wünschen wir uns ein Ablegen im Juni, spätestens Juli, damit wir uns schön Zeit lassen können, bis wir gegen Oktober/November unseren neuen Winterplatz erreichen. Dazu später einmal mehr, ist ja noch lang bis dahin.

Von Fahren, sei es noch so lokal, ist nicht die Rede. Die Schleusen sind geschlossen und damit steht alles still. Wir hätten nicht einmal die Erlaubnis, hier einfach, zwischen den beiden Schleusen, rund 10 Kilometer, etwas herum zu kreuzen. Es ist absolut niemand am oder auf dem Fluss. Spazieren in eingeschränkter Form ist erlaubt, hingegen Picknicken, Fischen, Paddeln, Rudern, Surfen, Segeln, nix da, alles untersagt; wenn man’s trotzdem tut, gibt’s einen an die Ohren, im übertragenen Sinn natürlich. Dabei ist das Wetter so herrlich und die Saône so sauber und meist spiegelglatt, die Temperaturen angenehm und überhaupt; es ist doch Frühling!

Ich habe nicht grosse Ahnung wie der Hausarrest anderswo in Frankreich eingehalten wird, aber hier im Städtchen muss ich sagen: Alle Achtung, alle bleiben zuhause und respektieren die Vorschriften ohne zu murren. Das erstaunt uns, sind doch gerade die Franzosen dafür bekannt, sehr schnell  über die Regierung und deren Versagen herzuziehen. Wir erleben auch keine gereizten Leute; die wenigen Spaziergänger grüssen, in den Läden wird freundlich auf Abstand geachtet, die VerkäuferInnen sind nett und hilfsbereit.

Mehr und mehr hören wir von Bekannten, welche die Infektion durchgemacht haben, leider auch von verstorbenen Angehörigen. Unseren Hausarzt in der Schweiz hat das Virus auch erwischt. Wir haben immer noch freundschaftlichen Kontakt mit ihm und seiner Frau, beides Ärzte, und sie haben uns eindringlich davor gewarnt, irgendwelche Risiken einzugehen oder etwa das Virus auf die leichte Schulter zu nehmen. Tun wir nicht, wir bleiben so brav es irgendwie geht, promis.

Manchmal fällt dies jedoch schwer und das tolle Frühjahrswetter lässt einen ab und zu total vergessen, in was für einer absurden Situation wir uns alle gerade befinden. Unsere sichere und überblickbare Welt wird uns gerade sehr fremd und feindlich. Wir haben eine unsichtbare Bedrohung und die Dramen spielen sich nicht irgendwo weit weg ab, sondern auch hier bei uns, vor unserer Haustür oder gar in unserem innersten Kreis der Familie oder der Freunde! Irgendwie habe ich das noch nicht ganz verstanden.

Klagen will ich nicht, wir kommen auch gut mit dem Hausarrest klar. Allerdings habe ich seit dem confinement fast ständig unbändige Lust auswärts essen zu gehen. Dabei gehen wir auch sonst nicht oft in Restaurants. Aber dann KÖNNTEN wir eben wenn/wann  immer wir WOLLTEN!!!

Wir sind zum Glück gesund, wenn man mal von meinem ständigen Heuschnupfen absieht (wo hat es jetzt schon Heu?!), wir kommen dank den Hunden regelmässig raus, leben in einer angenehmen Umgebung und haben weder Dichte- noch Einsamkeitsstress. Wir haben jetzt einen ziemlich freakigen Gemüsebauern gefunden, bei dem wir einmal die Woche unser (Bio-)Gemüse abholen gehen, endlich haben wir auch jemanden (Freakigen) gefunden, der uns das dringend benötigte Dinkelmehl besorgen kann und wir haben Stoffmasken ergattert, nicht selber genäht, sondern von einer freakigen Firma bestellt. He, sind jetzt alle zu Freaks geworden?

So weit alles übersichtlich und nicht besonders alarmierend. Aber wir wissen, das kann alles ganz plötzlich kippen, und davor habe ich freaking Respekt!

Bleibt brav und gesund

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Vier weitere Wochen Hausarrest“

  1. Ja es braucht Geduld in diesen Wochen für uns alle auch
    Wie unser Bundesrat Alain Berset so schön sagte :
    „Il faut agir aussi vite que possible, mais aussi lentement que nécessaire !“
    Ein T Shirt mit dem Spruch wurde hergestellt. 1 Woche lang bestellbar. Nun nach mehr als 20’000 Shirts ( Bereits ein Sammelobjekt ) bekommt die Glückskette fast 180’000 Franken gespendet .tolle solidarische Idee
    Bleibt gesund 😘

    Gefällt 1 Person

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