Ausgangssperre – die ersten Tage

Es ist immer noch schönes Wetter und warm. Zum Glück!

Seit Dienstag Mittag befinden wir uns in Ausgangssperre. Ich bin jetzt froh darum. Ganz klare Ansagen, keine Ausnahmen, die Regeln dürften dem Hintersten und Letzten – vielleicht nicht gerade einleuchten, aber – bekannt sein.

Seit Mittwoch früh stellen wir uns vor jedem Verlassen des Boots ein Attest aus.

Darauf kreuzen wir an, weshalb wir draussen unterwegs sind, datieren und unterschreiben es. Ich habe mir ein kleines Klarsicht-Mäppchen gebastelt, darin verstaue ich die Identitätskarte und das auf die gleiche Grösse zusammengefaltete Attest. Dieses begleitet mich nun auf den Hundespaziergängen. Für andere Gründe bin ich bislang noch nicht raus.

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Die erlaubten Ausgangsgründe machen Sinn und sie reichen aus, um sich nicht total eingesperrt zu fühlen. Zum Glück haben wir keinerlei Symptome, sonst wäre dies das sofortige aus mit den kleinen Eskapaden.

Die Supermärkte haben sich in der Zwischenzeit an die neuen Bedingungen angepasst und haben die Regeln gross angeschlagen und im Internet publiziert: pro Einkaufs-Wägelchen oder -Korb eine (1) Person, die gleichzeitig anwesende Kundenanzahl wird begrenzt, teils besteht auch ein zeitliches Limit. Einige haben reservierte Randstunden für ältere Personen und Menschen mit besonderen Schwächen, Krankheiten oder Behinderungen eingerichtet; hier müssen sich die Kunden ausweisen und/oder ein ärztliches Zeugnis vorzeigen können. Im Ort hat ein Supermarkt sogar Einkaufszeit ausschliesslich für die uns Alle arbeitenden Menschen organisiert, also für medizinisches Personal und für die, welche bei den wenigen noch geöffneten Dienstleistern arbeiten, wie etwa bei der Post und den Banken.

Für diejenigen, die zu Beginn offenbar noch im Familienpulk in den Läden erschienen und beim Einkauf etwas wie die fehlenden Shopping-Gefühle vom Samstag suchten, ist der Plausch also zu Ende. Ebenso für jene, die das erlaubte tägliche Luftschnappen mit Picknick, Sonnenbaden oder sonstigen Happenings verbinden wollten. Die Gendarmerie dreht ihre Runden und war gestern auch auf der Flusspromenade am Leute kontrollieren. Die Ferienstimmung sinkt da sofort um einige Grade ab.

Natürlich schreien da schon einige Zeter und Mordio, beschwören Zustände wie in einem totalitären Staat hoch und verbreiten irgendwelche Verschwörungstheorien. Die gibt’s immer und überall. Die abstrusesten Heilmittel und Immuntricks werden herumgeboten; manchmal fühle ich mich geradezu ins tiefste Mittelalter zurückversetzt. Was ist nur mit solchen Menschen los, die eine unbändige Lust an Horror- und Angstszenarien haben, die sich geradezu suhlen oder aufgeilen an solchen Ideen, hemmungslos herummotzen und von gemein bis hasserfüllt andere Menschen zusammenstauchen? Tut das gut? Bringt das etwas?

Wir beide versuchen auf dem Teppich zu bleiben und die ersten Nachrichten von Erkrankten, die wir persönlich kennen, zu verdauen. Im Hafen und im Städtchen ist die Lage sehr ruhig und vernünftig. Solange die Sonne scheint und jeder in seinem Garten, auf seiner Terrasse oder auf den Bootsdecks draussen etwas tun kann, oder sich einfach erlaubt da zu sitzen und zu einer Tasse Kaffee oder einem Glas Wein das tolle Frühlingswetter zu geniessen, ist die Welt im Kleinen ja noch irgendwie in Ordnung.

Gebt auf euch acht und bleibt gesund!20200319_kleine Eskapaden5

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

8 Kommentare zu „Ausgangssperre – die ersten Tage“

    1. Hallo Anja, ich hab dir schon geantwortet, sehe dies aber nicht hier. Deshalb nochmals: Es ist in Ordnung, dass du meinen Beitrag geteilt hast, ich freue mich darüber! Bleib brav und gesund, liebe Grüsse, Suzy

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  1. Liebe Suzanne und Claude
    Wir bewundern immer Eure positive Einstellung zum Leben und vor allem in der jetzigen Situation wo sich alle
    nun endlich Fragen stellen wie es weitergeht und bewusst werden dass es sehr ernst ist mit dem Corona Virus 😷
    Wir hoffen dass für Euch alles weiterhin gut verläuft
    Bleibt gesund ( uf Berndeutsch. BX 😊)
    Alles Gute 😘Regina und Alain

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    1. Danke, liebe Regina! Wir hoffen, ihr bleibt auch ganz schön drinnen und vermeidet möglichst allen Direktkontakt, ob nun mit oder ohne Lock Down. Stehen wir das durch! Bleibt brav und gesund. Ganz liebe Grüsse S&C

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  2. Ja, es gibt sie, die Unverbesserlichen, die Ignoranten, die Egoisten, die Verschwörungstheoretiker. Man kann sich da oftmals nur wundern. Mein Lebensgefährte ist auch wieder mit seinem LKW unterwegs nach Dijon und weiß noch nicht, welche Spedition er noch anfahren darf und welche nicht. Jeden Tag etwas anderes. Man muss achtsam sein.

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