Alles klar, soweit es klar ist

Den Rest verstehen wir nicht immer. Wir informieren uns derzeit insbesondere über die Vorgänge in zwei Ländern: der Schweiz als Heimatland und Frankreich als unser Gastland.

Die Unterschiede sind von den Massnahmen her nicht mehr gross. Die in der Schweiz sind irgendwie schwammiger als die von Frankreich, jedenfalls seit gestern Abend. Nach der Rede von Emanuel Macron, wie stets etwas pathetisch, aber bei der die Menschen dieses Landes klar und deutlich angesprochen und auf den gemeinsamen Kampf gegen das Virus eingeschworen wurden, gilt ab heute Mittag, also jetzt: Wir dürfen nur noch unter 5 Bedingungen ausser Haus:

  • zur Arbeit, sofern Heimarbeit nicht möglich ist
  • zum Einkaufen für Lebensnotwendiges
  • aus gesundheitlichen Gründen
  • aus dringlichen  Gründen der Unterstützung von Personen und Betreuung von Kindern
  • zu kurzen Ausgängen in der unmittelbaren Umgebung der Wohnung um frische Luft zu schnappen, für Sport (kein Kollektivsport) und um die Hunde auszuführen.

Diese 5-Punkteliste habe nicht ich entworfen; Sie steht auf dem Attest-Formular, das jeder herunterladen und ausdrucken muss. Für jeden Ausgang muss sich ein jeder darauf selbst erklären, dieses auf sich tragen und gegebenenfalls vorweisen können. Darauf stehen die Personalien, Adresse, Ort, Ausgehzeit und Datum. Und natürlich die Unterschrift. Angehalten und kontrolliert werden kann man jederzeit. Bei einem Fehlen des Attests kann eine empfindliche Busse auferlegt werden. Tja.

Wir wussten, dass es bloss noch eine Frage von Tagen gehen wird, bis der totale Lock Down von Frankreich kommen wird. Nach den letzten Weisungen am Freitag, hatte sich das Benehmen der Franzosen kaum verändert. Sogar am Sonntag sahen wir ganze Gruppen am wandern, in der Sonne sitzen, ja sogar in der Kaffee-Ecke der Bäckereien hockten sie zusammen. Die Restaurants waren aber eigentlich schon geschlossen worden. Vor dem Tabac-Presse, dem Laden für Zeitungen und Raucherwaren, standen sie im Pulk zusammen und diskutierten. Spätestens zu dem Zeitpunkt wurde mir klar, dass die Schliessung jeden öffentlichen Lebens unmittelbar bevorstehen musst. Wegen der Disziplinlosigkeit, Sorglosigkeit oder auch der schlichten Dummheit der Menschen.

Unsere grösste Sorge betraf die Hunde. Was wenn wir mit denen nicht mehr raus dürfen? Diesbezüglich können wir uns jetzt entspannen. Wir befinden uns unmittelbar an der freien Natur, das ist ein Segen!

Anders sieht es für uns mit den Wasserwegen aus. Da herrscht noch grosse Unsicherheit. Im Moment sind die Schleusen auf der Petite Saône eh geschlossen, bis kurz vor Ende März. Gerade kam der Capitaine, der Hafenmeister vorbei um mitzuteilen, das wir nicht mit der baldigen Öffnung rechnen sollen, die Hafen-Verwaltung garantiere für alle Gestrandeten die Weiterbenutzung der Liegeplätze, dies zum Niedrigtarif (wie für die Winterhalbjahres-Miete). Da entspannt man sich doch gerade ein wenig. Ich weiss, dass viele, die jeweils bloss im Sommerhalbjahr auf den Booten sind, und nächstens mal herkommen wollten für die neue Saison, äusserst verunsichert sind. Im Moment können Ausländer, die in Frankreich keinen Wohnsitz haben, gar nicht anreisen. Viele haben schon lange gebucht, vielleicht sogar ihr Daheim untervermietet. So viele Unsicherheiten und Umstände!

Wir befinden uns aus Alters- und Gesundheitsgründen schon einige Zeit in relativer Selbstisolation. Aber nun ist es wirklich ernst geworden. Das ist eine Situation, die sich Ende letzten Jahres noch niemand vorstellen konnte, nicht in den wildesten Träumen! Nicht einmal als es in Wuhan schon ganz schlimm war. Ich frage mich, was jetzt mit uns Menschen passiert. Meine und Deine Welt wird höchstwahrscheinlich nie wieder richtig die Alte werden. Rein wirtschaftlich wird es eine Durststrecke geben. Ich glaube wir müssen, wenn das mal durchgestanden ist, überlegen was wir in Zukunft für eine Welt für uns und unsere Nachkommen haben möchten. Ob wir weiter kutschieren wollen wie bisher, mit dem Gehetze, den übertriebenen Erwartungen, der Umweltzerstörung, der Entmenschlichung der Arbeit, der uns abhanden kommenden Empathie und sozialem Denken. Die Menschen haben jetzt Gelegenheit sich auf das Wesentliche zurückzubesinnen und sich in eine andere Richtung zu bewegen, hin zu einer respektvollen, gerechteren, sozialeren, gemeinschaftlichen und gelasseneren Gesellschaft. Denn in einer Welt, in der Aussagen, wie ich sie in den letzten Tagen gehört habe, normal sind und unwidersprochen stehen bleiben, möchten wir doch nicht leben, nicht? Zitat: “ Nur wegen den Alten muss ich jetzt auf’s Party machen verzichten“. Für mich persönlich ein absolutes no go, auch bei einem dümmlichen, egoistischen Jugendlichen! Meine Freiheit endet da, wo Deine Freiheit eingeschränkt wird. Punkt und versprochen!

Bleibt gesund

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

4 Kommentare zu „Alles klar, soweit es klar ist“

  1. …und was machen die, die keinen Drucker haben?
    Ich vermute mal dass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis hier in Irland die Ausgangssperre kommt. Das Militär steht schon auf Abruf bereit, Pubs, Schulen etc sind schon geschlossen, und trotzdem gibt es auch hier noch Videos von Parties und Versammlungen. Die Menschen, die tagsüber die Läden stürmen bis zu dem Punkt, wo Sicherheitspersonal die Leute draußen halten muss, und die das ganze Klopapier leer kaufen, gehen dann abends feiern, denn „Sure it’ll be grand“.
    Ich frage mich schon seit tagen, wie so eine Ausgangssperre aussehen kann. Was machen Leute, die solch ein Formular nicht ausdrucken oder gar runter laden können?

    Gefällt 1 Person

    1. Das hab ich mich auch gefragt. Zum Glück gibt es jetzt langsam private Initiativen, die aushelfen, wo es geht. Dorfläden bieten kleine Dienstleistungen an usw. Die Leute organisieren sich. Wir sehen jetzt hier auf einmal Jugendliche, die Gruppen von Hunden ausführen. Ich denke, auch wenn so wine Krise zum Teil das Schlechteste aus den Leuten heraus bringt, genauso bringt es das Beste aus anderen hervor, und die sind mehr! Ich hoffe, ich habe hier recht, denn sonst wären wir als Menschheit echt verfault bis ins Innerste und verloren.

      Gefällt 1 Person

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