Zeitiges Erwachen

Über meine Art zu gärtnern haben wir uns ja schon mal unterhalten. Leider war ich diesbezüglich schon immer … na, wie soll ich mich ausdrücken: Nachlässig? Unzuverlässig? Unbeständig? Mit einem leicht grünlichen Daumen und meistens viel Glück?

Genauso wie mit meinen Anfällen von Kreativität, geht es mir mit dem Gärtnern. Plötzlich und unerwartet befällt es mich aus heiterem Himmel. Da entwickle ich eine ungeheure Energie. Kaum ist etwas geschafft und kann ich mich über mein neuestes Werk freuen, fällt das Fieber von mir ab und der ganze Elan verpufft. Leider ist das so, war es schon immer.

Für die letzten Sturmtage- und nächte mussten wir die Pflanzen, die auf Deck leben, wegräumen. Seit wir nicht mehr oben sitzen können, wurden diese Armen nicht mehr beachtet und völlig sich selbst überlassen. Wind und Wetter ausgesetzt mussten sie da ausharren; ich hatte sogar jegliche Schutzmassnahme vergessen. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Erst letzte Woche kamen sie wieder in mein Blickfeld. Wegen dem Sturm. Wir räumten sie von oben runter auf die Heckplattform, diese ist dem Winde abgewandt und auch etwas geschützt vor prasselndem Regen.

Gestern Nachmittag, als wir vom Spaziergang zurückkamen, entdeckte ich beim Rosmarin zwei, drei offene Blüten und zahllose Blütenknospen! Jetzt meldete sich aber das schlechte Gewissen, und ich düste raus, um bei den letztgesehenen Maulwurfhaufen frische Erde zu holen. Schnell die leeren Töpfe aus der Terrassentruhe rausgekramt und dem Rosmarin mehr Platz und frische Erde gegönnt. Ach, da! Da bei der Minze gucken ja Miniblättchen aus der Erde heraus! Noch einen Topf, auch Miss Minze kriegt mehr Nahrung. Der Thymian scheint es sich noch etwas überlegen zu wollen, aber auch da tut sich glaub’ich etwas. Sicherheitshalber kriegt auch dieser Zauderer einen grösseren Topf.

Es herrscht Aufbruch in unserer Pflanzenfamilie! Die Kräutertöpfe stehen jetzt in Reih und Glied, rausgeputzt für die neue Saison. Sie haben ein sonnenbeschienenes Plätzchen erhalten und stehen so, dass ich sie von Innen sehen MUSS. In der Hoffnung, dass ich sie nicht wiederum einfach vergesse.

Ich habe mir sogar vorgenommen, ein Minitreibhaus für sie anzuschaffen. Wer bereits im Februar erwacht, hat ein warmes Zuhause doch verdient!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

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