Terra incognita

Die Enten sind in Hochzeitsstimmung und wir gehen nirgends hin, ohne nicht mindestens einen Führer oder eine Flusskarte dabei zu haben. Mit Begeisterung rutschen wir auf den Karten herum, schlagen Infos nach und versuchen uns ein Bild zu machen von dem, was uns da erwarten könnte!

Ich will mich da nicht aufspielen und ja ich weiss, das Titelbild ist total übertrieben (aber trotzdem schön, nicht?). Schlussendlich planen wir keine Expedition in ein noch nie betretenes Land. Trotzdem ist eine Bootsreise nicht wirklich vergleichbar mit einer Autoreise, schliesslich können wir meistens nicht einfach anhalten und erst überlegen, wo und wie es nun weiter gehen soll. Nach einiger Zeit auf dem Wasser hatte man auch schon ein paar mal eine ungemütliche Situation, ein unvorhergesehenes Ereignis oder eine böse Überraschung erlebt. Man sorge also vor! Ein bisschen wenigstens.

Zu den Informationsmöglichkeiten auf Papier und im Internet kommt auch noch die Boots-Community. Ich habe schon mehrfach erwähnt, wie hilfs- und auskunftsbereit Bootler sind. Es ist immer erfrischend, wie schnell und ohne Federlesens Kollegen Hilfsmaterial herausholen (und auch mal einen Schraubenzieher) oder einem mit Tipps oder Adressen aushelfen. Meist geschieht dies sogar überhaupt nicht belehrend, sondern wirklich einfach offen und kollegial. Dabei spielt es meistens keine Rolle, ob wir es jetzt mit Novizen oder wirklich erfahrenen Leuten, oder sogar mit Profis, zu tun haben. Wir schätzen diese unangestrengte Art sehr; es gibt doch nichts peinlicheres als unversehens  in eine regelrechte Vorlesung zu geraten, während der man sich nur noch fragt, wie man da am besten und möglichst schnell wieder raus kommt.

Port Royal aus der Luft
Port Royal aus der Luft

So saugen wir jede Information buchstäblich auf. Wir versuchen uns ein Bild davon zu machen, was uns dieses Jahr so ungefähr erwarten wird. Dabei sind schon mal die Zustände der Kanäle massgebend. Viele wurden über Jahrzehnte von der verantwortlichen Staatsbehörde  – dank Sparen hüben und drüben – vernachlässigt. Die Auswirkungen dieser Unterlassungen sind von Wildwuchs an den Ufern, über schlecht oder nachlässig unterhaltene Schleusen und leckenden Kanalverbauungen bis zu Algenwäldern im Wasser nicht zu übersehen.

Da wir in Bezug auf Wetter und Wasser bereits zwei Variablen haben, die wir unmöglich in eine Planung einbeziehen können, möchten wir wenigstens einigermassen wissen, war uns sonst so erwarten könnte. Zum Beispiel: in welchem Abstand gibt es Wasser und Strom, wie lange sind die Strecken, in denen es kaum Einkaufsmöglichkeiten gibt, wo ist mit speziell tiefen Brücken, schmalen Toren oder sonst etwas Speziellem zu rechnen. Und natürlich wo, wo, wo sind die Highlights: Hübsche Ortschaften, Burgen, Schlösser, Kloster, Basiliken, römische Stätten, sehenswerte Kanal-und Flussbauwerke, gute Restaurants, Märkte, Feste und Festivals. Nicht auszumalen, wenn wir so träge dümpelnd an den tollsten Sachen einfach vorüberfahren und erst im Nachhinein merken, was wir verpasst haben! Bei aller zenitude*, das darf nicht sein.

Sonnenuntergang heute abend, wieder mal in sehr intensiven Farben
Heute Abend

*Zenitude = kommt von Zen, eigentlich nicht übersetzbar, da meines Wissens in Deutsch kein Äquivalent vorhanden

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

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