Etwas schnippeln plus 1 Nacht

Als sich letzten Sommer wieder einmal Besuch ansagte und wir gefragt wurden, was uns denn aus der Heimat mitgebracht werden könnte, wollte mir fast nichts einfallen. Zu Beginn hier, gleich nach unserem Umzug nach Frankreich, da wären mir aus dem Stegreif eine ganze Liste von Produkten eingefallen, die ich vermisste. Noch hatte ich mich noch nicht so richtig umgestellt, kannte mich Zuwenig aus und vor allem zum Kochen fehlten mir kleine Dies und Das. Gewöhnungssache.

Genauso wie man sich an Dinge gewöhnen kann, geht auch das ENTwöhnen. Braucht einfach seine Zeit. Das einzige was mir im Sommer einfiel war meine geliebte Gemüsebouillon (zu gut Deutsch Gemüsebrühe). Diese verwendete ich gerne und oft als Würze in Saucen und Suppen. Ich schoss ein Bild von der Verpackung der Instantbrühe, um dieses den Freunden als Bestellung zu senden. Dabei las ich auf der Rückseite was da eigentlich so alles drin ist.

Hm. Vor allem Salz (40%), Geschmacksverstärker, dann allerlei Zusatzstoffe und … nicht mal 10% Gemüseanteil! Ich war gerade etwas sprachlos. Das alles zu 9.50 Sfr? Wieder einmal fühlte ich mich hintergangen.

Die Bestellung liess ich dann sein, fing stattdessen an, mich zu informieren, wie ich das Brühen-Pulver selbst herstellen könnte. So schwierig konnte das ja nicht sein! Fündig wurde ich, wie so oft, auf YouTube. Mein erster Versuch war gleich sehr überzeugend. Nun geht der Vorrat zur Neige. Zeit, die Ärmel nach hinten zu krempeln und wieder eine Ladung herstellen. Es geht ganz einfach:

Viel, sehr viel Suppengemüse klein schnippeln, Ofenbleche füllen damit, ab in den Ofen, mehrstöckig und bei 70°C Umluft und ganz leicht geöffneter Backofentür gut 7 Stunden (oder eben eine Nacht lang) trocknen. Raus mit dem knisternd trockenen Gemüse, in den Blender, mit Gewürzen, Salz und etwas Zucker ergänzen, trrrrrrr und fertig ist die Sosse, ich meine, Brühe.

Bei meinem Gemüsehändler erstand ich für 8 Euro eine Kiste mit Suppengemüse. Die Karotten, den Sellerie und die Rüben übergab ich dem Blender zum hacken. Kohl, Zwiebeln, Knoblauch, Stangensellerie und der Lauch wurden liebevoll von Hand kleingeschnitten. Fünf Bleche ergab es, alle mit ca. 1-2 cm hoch ausgelegten Gemüse-Geschnipsel. Für den Abzug des entstehenden Dampfs sorgte ein zwischen Tür und Backofen gesteckter Kochlöffel. Zu Beginn mischte ich das Gemüse zweimal kurz neu auf, dann ging ich schlafen. Frühmorgens war das Gemüse trocken. Das Pulverisieren im Blender und das Abschmecken mit Salz, etwas Zucker und Gewürzen (Lorbeer, Muskat, Thymian, Bockshornklee, Petersilie, Koriandersamen und Pfeffer) machte Spass, dauerte aber ein wenig. Schliesslich war ich zufrieden mit dem Geschmack und füllte alles in Gläser ab. Die gemachte Menge ergab sogar ein zusätzliches kleines und hübsches Glas zum verschenken, als Mitbringsel oder so.

Der Stolz der Köchin: Selbstgemachtes
Der Stolz der Köchin: Selbstgemachtes

Jetzt hab ich Trocken-Bouillon für mehrere Monate. Gesund, ohne irgendwelche unaussprechlichen Zusätze und zu sicherlich mindestens 98% Gemüseanteil ! Easy.

 

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

6 Kommentare zu „Etwas schnippeln plus 1 Nacht“

  1. Sehr interessant. Muss ich meinem Mann zeigen, denn er liebt auch diese speziellen „Brühe-Kombination“ zum Würzen, wobei wir wegen des Salzes in den gekauften Varianten schon immer im geschmacklichen Clinch liegen.

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    1. Ja, das viele Salz (und der Zucker!) überall ist ein Problem. Hab nichts gegen Salz, ich liebe Salziges, aber so hat man eine Kontrolle und ich finde, wenn etwas Gemüsebrühe genannt wird sollte es vor allem Gemüse drin haben!

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  2. Außerdem ist in den meisten Pulvern Hefeextrakt,also Glutamat. Funktioniert das bei dir mit dem Kochlöffel? Schon mein letzter Backofen hat aufgehört zu heizen, wenn die Tür nicht ganz geschlossen war. Also bin ich alle paar Minuten in die Küche gedackelt und hab den Ofen aufgemacht.
    Brühe wird deshalb gekocht und in Gläsern eingeweckt.

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    1. Mein Backofen macht das munter mit, ich habe auch nicht gewusst, dass es Modelle gibt, die nicht heizen sobald die Türe offen ist! Meine bleibt vielleicht 5 mm offen. Das reicht zum trocknen. Einkochen ist eine Alternative, aber ich finde die Pulverform ideal, weil sie so in Mengen aber auch in Prisen beigefügt werden kann. Hefeextrakt, wie vieles anderes, enthält zwar natürliches Glutamat (und Vitamine des Vitamin B-Komplexes), schädlich ist aber vor allem das in rauen Mengen zugefügten künstlich hergestellte Glutamat. So meine Informationen darüber, aber ich bin keine Chemikerin 🤔

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