Schwupps und weg!

… auf Nimmerwiedersehen.

Leben auf dem Wasser ist eigentlich genau wie Leben in einem Haus. Hier gibt’s ebenfalls den Haushalt zu erledigen, man kocht, erlaubt sich ein Bierchen, geniesst den Feierabend oder die verbringt Zeit mit geliebten Hobbies.

Egal was wir tun, eines dürfen wir nicht vergessen: wir sind von Wasser umgeben.

Auf Fahrt oder im Hafen, ganz egal. Dementsprechend gilt vor allem draussen eines: nie etwas fallen lassen, keine unüberlegten Handlungen oder Gleichgewichtsspielchen. Glätte, Nässe oder Unachtsamkeit können uns einen bösen Streich spielen. Auch möglichen Wellenschlag oder Windstösse sind zu berücksichtigen. Die Sieben Sachen gut verstauen, alles sofort mit Klammern oder Haken, Magneten oder Klemmen sichern und selbst guten Stand halten, Schlüssel mit Schwimmern sichern und sofort in die Tasche stecken, mit beiden Füssen fest auf dem Boden bleiben. Ja, dies gilt auch auf einem trägen Fluss oder Kanal!

Wir haben bereits einiges im Wasser „versenkt“, ungewollt natürlich. Da stelle ich den teuren Spezialschrubber nach getaner Arbeit wie gewohnt an die (Bord)Wand, ein Boot fährt vorbei, verursacht ein paar Wellen und wir können aus Distanz bloss hilflos zuschauen, wie der umfällt und sanft in die Fluten rutscht. Einmal hatten wir die lustige Idee, für uns und unsere Gäste den Nachtisch aus dem neben uns liegenden Restaurant zu holen und an Bord zu geniessen. Die eleganten, hohen Eis-Becher schafften es ohne Weiters an Bord, beim zurückbringen blieb mein Göttergatte an einer Kante hängen, die Gläser auf dem Tablett gerieten in Schieflage und eines fiel genau und lautlos samt Eislöffel durch die kaum 15 cm breite Lücke zwischen Heck-Plattform und Steg ins Wasser. Plupp. Keine Scherben aber auch kein Glas mehr. Kaffee kommt auch nicht immer in noch vollen Tassen aufs Deck, da schwappt auf dem Weg rauf gerne mal was über Bord. Schön wenn wenigstens die Tasse dableibt. Besteck auf gebrauchten Tellern herumtragen ist ebenfalls keine gute Idee, gerade Messer machen sich gerne mal selbstständig. Wertvolleren Dingen wie Kameras und Ferngläser sollte spezielle Beachtung geschenkt werden. Diese verfügen über Bändel, welche dazu da sind, sich diese um den Hals zu legen … es empfiehlt sich, das auch zu tun! Wirklich. Auch Handys können weder fliegen noch schwimmen. Einmal über Bord gegangen nützt auch kein Suchruf mehr. Ungesicherte Mützen und Sonnenhüte auf dem Kopf? Lässig die Sonnen- oder die Lesebrille im Haar? Keine gute Idee. Die Verluste können ins Geld gehen. Lieber zweimal überlegen, ob solche Angewohnheiten sich auch auf dem Wasser bewähren! Mein Mann hat es einmal fertiggebracht erst seine Mütze und 15 Sekunden später gleich noch die Brille in eine Schleuse fallen zu lassen! Der Schleusenwärter brachte uns später die wiederaufgetauchte (uralte) Mütze vorbei. Die Brille hingegen … na ja, Schwamm drüber.

Manchmal guckt man zu, wie anderen etwas passiert, voller Mitgefühl natürlich. So sah ich mal vom Ufer aus, wie eine Frau bei voller Fahrt mit dem Pütz Wasser holen wollte. Ich fragte mich schon, ob das eine gute Idee war. Das ist nämlich gar nicht so einfach, denn entweder taucht der Eimer nicht ins Wasser ein, sondern tanzt auf der Wasseroberfläche und will sich nicht füllen, oder aber – diese Frau hatte den Dreh raus – der Pütz taucht, füllt sich sehr schnell und entwickelt durch das Wasser plus Fahrtempo ein Riesengewicht….. Schwupps, Mann, resp. Frau über Bord. Sie konnte zum Glück schwimmen und der Mann am Steuer hat ihr ‚über Bord gehen‘ bemerkt. Da hab’ich schon vom Zusehen her etwas gelernt!

Ab und zu treffen wir Bootsleute, die stundenlang schwere Haken an einer Leine ins Wasser werfen und zu sich ziehen, meist strukturiert und nach einem geheimen Plan. Was suchen die? Den Lieblingspulli, die Bettdecke, einen Deckstuhl…. einer suchte seinen eben versenkten Parabolspiegel, den er montieren wollte. Ich habe noch keinen getroffen, der das Gesuchte tatsächlich herausgezogen hat.

Herausgezogen wird es dann später einmal bei den periodischen Hafen-, Fluss-und Kanalreinigungsaktionen. Da kommen jedoch noch ganz andere Sachen zum Vorschein. Angefangen bei allen Arten von Fahrzeugen, vom Rollbrett bis zum Auto, Supermarkt-Einkaufswagen, Kühlschränke, Mobiliar, Autobatterien (!), Kassenschränke bis hin zu Waffen, Geschossen und Bomben aus dem Krieg. Es gibt auch viele Magnetfischer hier, die anstelle der Angel eine lange Leine mit einem starken Magneten haben, und mit diesem den Grund nach Metallischem absuchen. Ab und zu treffen wir einen hier an den Ufern an. Krass, was die so rausholen. Unser Schrubber mit seinem patenten Stiel aus Inox-Stahl war noch nie dabei, leider. Die vielen Aufsätze, die wir haben, liegen jetzt völlig stiellos herum.

Nun könnte man meinen, dass wir durch dies alles dazugelernt haben. Offenbar ist dem nicht so, insbesondere was mich betrifft. Sonst hätte ich den im Bad vergessenen Wäschekorb doch noch geholt, statt die abgenommene Wäsche auf dem Rundrohr der Reling zwischenzulagern! Mit Hilfe von Bootshaken und Kescher konnte ich einiges retten, aber ein paar gute Stücke sind in den trüben Tiefen des Hafenbeckens verschwunden. Dumm, saudumm.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Schwupps und weg!“

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