Sturer Hund

Das Wetter ist herbstlich kühl geworden. Die letzten Tage mit über 30° sind kaum vorbei und jetzt schaffen es die Temperaturen höchstens so auf knappe 20°. Vor allem in der Nacht kann es schon ganz schön kalt werden.

Boote, die über keine Doppelverglasung verfügen, haben frühmorgens bereits beschlagene Fensterscheiben! Aber wir wollen nicht klagen; uns passt das. Endlich durchschlafen und keine nächtliche Kämpfe mit Bettdecken oder -Tüchern mehr.

Unsere Hunde finden es auch toll und haben ihre alte Energie wiedergefunden. Vor allem die Kleine steckt ihre Nase überall hinein: du gehst hoch/runter/raus/rein? Komme mit. Du gehst den Müll rausbringen? Komme mit. In die Capitainerie neue Bücher holen? Bin dabei. Schnell gehen und lesen was für Infos auf dem Schild dort stehen? Muss ich auch wissen. Sie trabt begeistert mit, schnuppert hier und da, spurtet einem hinterher, reisst einen Stopp wegen einem ablenkenden Mini-Düftchen, um gleich wieder Gas zu geben. Ein verwandelter, glücklicher Hund!

Der Grosse ist einfach und schlicht dankbar, haben wir jetzt endlich «die Heizung abgestellt». Er ist der typische Leidende! Er kann seine unteren Augenlider hängen lassen, wie kein Zweiter, guckt dich von unten an und seufzt wie ein Mensch. Ein Rüpel, der da nicht sofort die leidende Kreatur sieht!

Janusz ist ein seltener Sturkopf. Er möchte, dass es nach seinem Kopf geht und alles möglichst gleich bleibt. Wenn es irgendwo an Deck stets Schatten hat, will er einfach nicht verstehen weshalb heute da gerade Sonne ist. Sollte ich einmal vergessen haben, seine Beschattung zu montieren, tigert er so lange fiepend herum und steht im Weg, bis ich mich daran erinnere. Wenn wir ausnahmsweise mal nicht den üblichen Ausstieg in der Mitte oder am Heck des Bootes benutzen können, sondern etwa wegen einem höher gelegenen Kai weiter vorne am Bug aussteigen müssen, kann er das kaum akzeptieren. Ausstieg über die Passerelle? Der reine Horror. Lieber fällt er ins Wasser als sich an etwas Neues umzugewöhnen oder etwa vorsichtig und langsam zu gehen! «Da vorne / da rüber gehe ich nicht raus! Hier will ich raus! Wieso ist immer alles anders?!?» Hängende Augenlider und Hundeblick. Mehrmals haben wir ihn schon rausfischen müssen.

Der Aussenbereich des Boots ist mit einem Antirutsch-Anstrich versehen. Für Merry und uns absolut ok. Wir rutschen nicht. Janusz, der Grosse, insistiert dass es zu glatt ist für ihn. Zum Beweis gibt er jeweils Gas wie eine Rennbolide, nur hinterlässt er keinen Gummi, dafür rutschten seine vier Pfoten in alle Richtungen! Seht her, es IST zu glatt! Sag‘ ich doch. Himmel, Januzs, geh’ einfach normal wie andere Hunde und Menschen auch! Nein, er will schnell machen. Er kommt mir manchmal vor, wie eine Trickfilmfigur, die auf der Stelle rennt und kaum vorwärtskommt. Natürlich passiert dies nur ihm und alles ist gegen ihn und überhaupt…. Hundeblick.

Während die Kleine schon übermütig draussen herum flitzt, probiert er immer noch auf jede mögliche Art aus dem Boot zu kommen, bloss nicht auf die vorgesehene Weise. Sicher nicht! Wir legen ihm kleine Teppiche hin, lotsen ihn, „erklären“ ihm die ungewohnte Situation. Nein, dieser Hund fährt die Blockade hoch. Wir haben es fast aufgegeben, ihm aufzeigen zu wollen, wie es besser geht. So ein Holzkopf.

Zum Glück haben wir nie ins Auge gefasst, mit ihm Agility-Sport zu betreiben. Er wäre die grösste Lachnummer; Janusz als lustige Einlage zwischen den einzelnen Wettbewerben, einer der alles, aber auch alles verkehrt macht. Der Agility-Parcours sieht jedes mal völlig anders auch. Das wäre sein Verderben. Was, hier war doch IMMER die A-Wand (oder die Rampe, oder der Slalom…) Er würde einfach versuchen über oder durch Hindernisse zu gehen, die gar nicht da sind! Vielleicht ist das sogar eine Idee zum Vertiefen? Unser Schussel wäre prädestiniert für diese Rolle als Pausen-Clown.

Im Moment ist Ruhe eingekehrt, ja er ist richtig glücklich: Es ist relativ kühl, oft bewölkt und damit meist schattig, und wir sind Heck voran angelegt. Da kann Monsieur einfach rausspazieren. Das gefällt ihm. Bloss die Lücke zwischen Steg und Boot, die könnte etwas schmaler sein, oder besser überhaupt verschwinden. Könntet ihr das anpassen? Hundeblick… Ach Janusz! Bist ein lieber Kerl, aber etwas mehr Flexibilität wäre nicht schlecht!

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Eine glückliche Merry an ihrem Lieblingsplatz, dem „Ausguck“.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Sturer Hund“

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