Zu nett oder zu blöd?

Es ist ganz seltsam: Offensichtlich wirken wir beide auf gewisse Menschen ziemlich unbedarft und unerfahren. Wie sonst treffen wir immer wieder welche, die meinen uns – obwohl wir uns oft eben erst kennen gelernt haben – beraten und mit Tipps überschütten zu müssen und uns an ihrem reichen Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen? Sehen wir irgendwie doof aus oder hat das Problem vielleicht gar nicht mit uns persönlich zu tun?

Wie dem auch sei; Uns passiert es immer wieder, dass neue Bekanntschaften sich uns gegenüber brüsten mit ihren Kenntnissen der französischen Wasserwege, mit ihren Sprach- oder Fachkenntnissen und offensichtlich denken, sie müssten uns etwas auf die Sprünge helfen. Dann kriegen wir dann Beispiele von absolut mediokren Unterhaltungen in einer Fremdsprache oder Tipps über Häfen oder Kanäle die sich beim genauerem Besehen als völlig veraltet herausstellen. Hat uns kürzlich einer doch vehement von unserem nächsten Winterungsplatz abgeraten und erst im Laufe der Diskussion stellte sich heraus, dass er seit 12 Jahren nicht mehr da war! Unnötig zu erwähnen, dass er heute noch nach Karten und Führer fährt, die Anfangs der 90ger Jahre herausgegeben wurden. Na ja, die Schleusen wurden höchstwahrscheinlich seither nicht versetzt, aber alles andere hat sich sicher zum Besseren oder zum Schlechteren entwickelt!

Ein Anderer tat uns freimütig und nach nur 10 Minuten Bekanntschaft kund, wo man sich überall informieren kann über die aktuelle Situation der Kanale, Schleusen und Wasserstände, inkl. genauem Beschrieb, wo wir auf den Webseiten genau hin klicken sollen. Pardon, Monsieur, das kennen und machen wir seit Jahren!

Was ist nur mit diesen Leuten los? Fehlt es denen an Selbstbewusstsein oder an Anerkennung (vielfach sind es ältere Männer, aber nicht nur)? Wieso tragen gewisse Menschen ihr Wissen (oder Halbwissen) wie Fahnen vor sich her und riskieren es lieber, vielleicht auch mal einen Meister des Fachs zu treffen, mit dem sie sich gerade brüsten. Mich nervt das masslos und es ist mir auch peinlich.

Komischerweise wissen wir heute noch nicht, wie wir dieser Art unerwünschter Ratschlag-Erteilung begegnen sollen. Wie macht man das nur? Wir wollen ja höflich bleiben und niemanden brüskieren. Aber vielleicht sind wir einfach zu nett! Wir halten uns zurück und machen gute Miene zum bösen Spiel anstatt gleich mitzuteilen, dass wir das nicht wünschen oder brauchen. Und hoffen, die Anderen merken es schon von selbst, dass wir keine kleine Idioten sind.

Meist sind das vergebliche Hoffnungen. Die Ratschläge und das Angeben hören meist nicht auf. Wir lernen ganze Lebensläufe kennen (natürlich bloss die heroische Version) und erfahren, was für ein toller Hecht oder was für eine Lebefrau wir da als Gegenüber haben, gegen unseren Willen nota bene. Wir verstummen dann langsam, ärgern uns im Stillen und fühlen uns als Zuhörer / Claqueure degradiert.

Die Frage ist: geht das nur uns so? Oder, noch schlimmer: tun wir das etwa auch gelegentlich?

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

8 Kommentare zu „Zu nett oder zu blöd?“

  1. Ich versteh dich, Suzy. Eine Art, solchen Leuten zu begegnen wäre, ihnen kurz und bündig klarzumachen, dass die moderne Technologie Zugang zu allem Wissenswerten des Sektors bietet, dass ihr gründlich orientiert seid… dass euch vielmehr interessieren würde, was bei ihnen z.B. das grösste Glücksgefühl auslöste, die grösste Angst, wo es glimpflich ging, wo daneben… wieviele Kinder sie haben und wo diese was tun, etc.?
    Un abbraccio a voi quatro, Sylvia

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    1. Da hast du recht. Das Blöde ist nur, diese Leute wollen absolut ihren Senf abgeben und kommen immer wieder damit. Es bleibt nichts übrig als sie zu meiden (echt schwierig, wenn es Nachbarn sind) und dann beklagen sie sich auch noch, dass niemand auf sie hören will 😯

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  2. Hallo Suzy,
    ich kann deine / eure Gefühle sehr gut nachvollziehen. Es ist sehr ärgerlich, wenn man ständig „belehrt“ wird, unaufgefordert. Selbst dann, wenn man es besser weiß, auch wenn man rein zufällig an das eigene Wissen gelangte.
    Ich kann dich trösten :-), wenn man wie du, dieses Verhalten auf sich selber reflektiert, gibt man sich die größte Mühe nicht besserwisserisch aufzutreten. 🙂
    Und so kommst du hier auch nicht rüber. Sondern charmant, witzig, natürlich und auch nachdenklich.
    Liebe Grüße, Peter

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  3. Lieber Peter, hab Dank für diese Worte! Manchmal ist die Welt um einen herum so irr, dass man an sich selber zu zweifeln beginnt. Da bin ich froh um so feine Menschen wie du! Schönen Abend und liebe Grüsse, Suzy

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  4. Liebe Suzy
    Ich glaube nicht dass man sich vor solch unerwünschten Kommentaren oder Ratschläge schützen kann, auch wenn man sein eigenes Verhalten ändert. Ich lache dann jeweils still in mich hinein und lass die andern plappern. Ich weiss ja was ICH weiss und kann. Wenn die andern sich besser fühlen indem sie jedem und überall ihre unerwünschten Ratschläge geben… bitte sollen sie doch!
    Mir ist solches Verhalten früher oft begegnet als meine Kinder klein waren. Was musste ich mir anhören wie Kinder am besten erzogen werden! Und dies ausgerechnet von kinderlosen Personen:-)) Kostete mich jeweils nur ein müdes Lächeln. Also versuch es mit Gelassenheit… easy:-)). Liebe Grüsse, Claudia

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  5. Mir geht das auch oft so. Ich habe es immer auf mein junges aussehen geschoben – ich bin 30, wirke aber sehr viel jünger. Mich ärgert sowas maßlos, wenn ich einen Rat brauche frage ich danach! Ich weiss leider auch nie wie damit umgehen – solltest du da die Methode schlechthin finden, gib mir bitte Bescheid.

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  6. Mach ich, Lea! Aber ich glaube die Motivation jemandem ungefragt Ratschläge zu erteilen liegt eher in Geltungsdrang und Besserwisserei beim Gegenüber und nicht mit dem Alter oder Selbstwertgefühl des Opfers. Idealerweise stoppt man das wohl einfach mit einer freundlichen Absage, aber eben: diese ist mir noch nicht eingefallen 😵

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