Das Jetzt ist das Wichtigste

Gestern war gestern und das Morgen ist noch nicht da. Das was zählt ist das Heute!

Natürlich haben wir Erinnerungen, teils lustige, teils weniger lustige. Wir haben auch Wünsche und Pläne für die Zukunft und das ist gut so.
Ich finde jedoch, wir sollten nicht zu lange in der Vergangenheit weilen und uns Gedanken machen über das was gewesen ist, was uns verletzt, schockiert und geplagt hat. Wie sollten die Vergangenheit gehen lassen und akzeptieren, dass nicht alles rund gelaufen ist, dass wir selbst oder Mitmenschen Fehler gemacht haben, dass wir nicht verzeihen konnten und frustriert sind, weil wir nicht das Gewünschte erreicht haben. Es geht nicht ums Auslöschen des Gelebten und Erlebten sondern um eine innere Distanz und Akzeptanz. Damals waren wir jünger, anders, wussten und kannten weniger und später ist man stets klüger! In die Zukunft zu planen oder uns darauf freuen, ist ebenfalls normal und auch nötig. Aber bereits in ihr leben zu versuchen ist ungesund. Es gibt ja keine Garantie, dass es dann tatsächlich so kommen wird wie gewünscht! Deshalb finde ich, wir sollten das Hier und Jetzt allgemein besser schätzen.

Ich höre ab und zu den Spruch „ich hätte …. sollen/müssen/wollen“ und er nervt mich jedes Mal aufs neue! Vorbei ist vorbei, was soll diese Quälerei? Tiere und Kinder sind mir ein grosses Vorbild in Bezug auf ein Leben in der Gegenwart. Sie gehen voll auf darin. Sie leben eindeutig im Augenblick und ziehen die gesamte Lebensfreude daraus. Alte Erlebnisse klingen vielleicht noch nach, aber wenn die Gegenwart gut ist, ist alles gut. Voller Einsatz und Hingabe ans Jetzt. Wunderbar und beneidenswert!

Mein Papa war ein Mensch, dessen Gefühl für die Gegenwart praktisch inexistent ist. Als Kind und junge Frau wurde mir das nie richtig bewusst. Im Alter verstärkte sich diese Eigenschaft jedoch und wurde extrem. Er hatte mehr und mehr Mühe sich auf das gerade Stattfindende zu konzentrieren, es wahr zu nehmen und zu geniessen. Er frustrierte mich mit Erzählungen von vergangenen tollen Essen oder wunderbaren  Ausflüge die er plante. Dies stets in Momenten, wo wir gerade zusammen am Essen oder auf einem Ausflug waren! Er war nie voll dabei und seine Gegenwart schien schmal zu sein wie eine Messerklinge. Jedes Mal wenn er uns in unserem Aufenthaltsland in Asien besucht hatte, las er stossweise alte National Geographic oder Geo Magazine, und war unfähig sich wirklich und tief in das exotische Land fallen zu lassen, in dem er sich gerade befand. Komischerweise hatte er nach seiner Heimkehr, und auch noch Jahre später, immer jede Menge zu erzählen, wie das damals bei uns war und was er alles erlebt hatte! Es bleibt mir unverständlich, woher er die Erlebnisse her hatte, war er doch damals gar eigentlich „nie richtig da“! Heute ist er leider schwer dement und hat alles verloren, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft! Das macht mich unendlich traurig.

Die Gegenwart zu leben bedeutet für mich nicht, zu jeder Gelegenheit wahnsinnig Wichtiges oder Tolles zu machen, vom Einen zum Anderen zu springen und möglichst viel in den Tag zu quetschen. Nein, es geht mir darum, das was ich gerade tue, und sei es nur herumfläzen und ein Buch lesen oder nichts tuend in die Landschaft zu schauen, mit vollem Herzen zu tun. Wir haben doch eigentlich nur genau diesen einen Moment! Wir können nichts festhalten, mitnehmen oder aufsparen! Geniessen wir es! Wenn das Jetzt nicht stimmt, sollten wir alles dafür tun es stimmiger zu machen und, wenn es nicht so optimal läuft, versuchen uns auch die kleinsten Momente von Glück, Harmonie oder Genuss zu vergegenwärtigen, sie zu schätzen und geniessen. Das hat nichts damit zu tun, ob wir arbeiten müssen, eine grosse Familie oder viele andere Verpflichtungen haben. Ich denke, es ist eine innere Einstellung, die uns dazu befähigt in fast jeder Situation noch Gutes zu finden, über ein Malheur lachen zu können, eine Panne als Lehrstück zu betrachten, eine Frustration als Erfahrung abzubuchen.

Wir wissen nie und in keinem einzigen Moment unseres Lebens wieviel Gegenwart uns noch bleibt. Im Heute und Jetzt zu leben ist das Leben an sich zu schätzen wissen. Gelingt das, muss nicht jeder und jede unbedingt hundert Jahre alt werden, bloss um das Gefühl zu haben, überhaupt je gelebt zu haben.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Das Jetzt ist das Wichtigste“

  1. Hallo Suzy,
    ein schöner Beitrag. Wie du sicherlich bemerkt hast, erzähle ich viel und häufig von früher. War auch eine schöne Zeit. Bekam auch hin und wieder einen zwischen die Hörner. Und heute kann ich sogar meist darüber schmunzeln, denn es hat mich ja nun nicht umgebracht 🙂
    Pläne mache ich aber recht selten, meine persönliche Erfahrung damit ist eigentlich, einer kommt immer daher und durchkreuzt sie.
    Die Geschichte mit deinem Vater tut mir leid.
    Danke.
    Liebe Grüße, Peter

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  2. Lieber Peter, deine Beiträge über früher Erlebtes sind toll und ich finde, du erzählst mit viel Humor und Weisheit. Viele leben jedoch nicht im Heute oder schlimmer, nehmen das Jetzt gar nicht richtig wahr, sondern hetzen irgendwelche Träumen nach oder verherrlichen vergangene Zeiten. Das ist schade, denn meiner Ansicht nach verliert man so das Schönste im Leben an sich. In die Zukunft planen tue ich auch nicht, habe ich nie gross gemacht. Das vernebelt bloss das Hirn und man sieht so sich bietende Gelegenheiten oder Alternativen gar nicht! Weiterhin so happy go lucky, liebe Grüsse in den Pott, Suzy

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