Wieviel darf es denn sein?

Was streben wir eigentlich genau an in Bezug auf Glück? Viele kleine Glücks oder DAS grosse Glück?

Für meinen Teil bin ich sehr zufrieden mit kleinen Happiness-Häppchen. Etwas Glücksgefühl hier und da, dafür immer und immer wieder. Wer mit einigermassen offenen Augen und Ohren durchs Leben geht, findet jede Menge kleiner Glücksmomente. Selbst die kleinsten alltäglichen Dinge können happy machen und sei es bloss das Schnarchen eines zufriedenen Hundes unter dem Tisch und die Sonne, die durch die regennassen Scheiben hindurchscheint, wie gerade jetzt!

Kürzlich habe ich gelesen, glücklich sein müsse man wollen. Hä? Dieser (monströse) Satz hat mir zu denken gegeben. Irgendwie konnte ich ihn erst fassen, dann entwischte mir der Sinn jedoch wieder, wie eine nasse Seife.

Es hat aber schon was: Der Mensch ist glücklich weil er glücklich sein will. Er öffnet sich damit jedem potentiellen ‚Glückchen‘, das da des Weges kommen könnte! Verkehrt herum hiesse dieser Satz doch, dass Menschen, die unglücklich sein wollen auch unglücklich werden. Na, das ist ja nicht schwierig! Dieser Mensch wäre demnach unglücklich weil er unglücklich sein will, oder nicht glücklich sein will, oder weil er sich glücklich sein nicht erlaubt oder er sein unglücklich sein interessant findet oder er sich gerne eher im Unglück suhlt anstatt einfach naiv glücklich zu sein! Das wären dann diejenigen sympathischen Leute, die einen von ihrem Pech, Krankheiten und Missgeschicken voll labern. Wie gewünscht finden wir diese Mitmenschen mühsam und bestätigen sie umgehend und mühelos in ihrem Unglück! Bravo, ein Musterbeispiel an Vicious Circle.

Um wieviel einfacher ist es doch einfach glücklich zu sein! Es ist ja nicht abhängig von Geld, oder Besitz, oder die Mega-Super-Ideale Liebe. Ich bin überzeugt es ist viel simpler, viel kindlicher: Ich bin glücklich weil ich lebe, weil die Vögel singen, es regnet oder ich gerade eine herrlich Pink-orange-gelbe Blume am Wegrand sehe. Einfach so. Weil ich die kleinen, schönen Dinge wahrnehme und sie geniessen kann. Weil ich hauptsächlich die Dinge sehe, die ich habe und nicht die, die ich möchte und weil ich grossen Wert auf echte Dinge, echte Genüsse, echte Wahrnehmungen lege. Und zwar gerade und vor allem JETZT.

Ich habe mir eine Liste meiner heutigen Glücksmomente gemacht:

Kaffee aus einer schönen Tasse trinken / Brot, frisch aus dem Ofen / Stille im Zimmer, Vogelgesang draussen / plätscherndes Wasser / das aus einer Pfanne aufsteigende Aroma eines indischen Gerichts / Sonne- und Schattenspiele an der Wand / der schnarchende Hund / frische Wäsche / den letzten Punkt setzen unter einem Text / frisch geputzte Zähne / eine lächelnde Kassiererin im Laden / das frisch geputzte Bad / ein neues Buch / der Geruch von Limetten / eine erledigte Aufgabe / Apfel-Chutney / Besuch ‚unseres‘ Entenpärchens / ein sich putzender, grosser Fischreiher direkt vor dem Fenster / Wolken am Himmel, wie Blumenkohlköpfe / Spässe und Gelächter beim Abwaschen / liebe WhatsApp-Nachrichten …. und es ist noch nicht einmal 16 Uhr!

Naiv? Ja vielleicht, aber glücklich!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

6 Kommentare zu „Wieviel darf es denn sein?“

  1. Was für ein schöner Text!
    Ich finde ja schon dass man auch mal unglücklich sein muss, um das Glück wirklich schätzen zu können. Aber natürlich muss man es auch wollen! Und man muss sich darauf einlassen und nicht immer das Haar in der Suppe suchen!
    Ich kann mich manchmal auch an Kleinigkeiten erfreuen wie ein kleines Kind sich an Weihnachten erfreut…

    Gefällt 1 Person

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