Bei Frost kein Wasser

Endlich wird es doch wirklich winterlich! Die Temperaturen sind plötzlich um 10 Grad gefallen. Der kleine See ist bereits am zufrieren. Die den Hafen durchfliessende Reyssouze und der Hafen selbst lassen sich hoffentlich noch etwas Zeit damit. Ich bin bei Eis ums Boot etwas unruhig und das im Boot resonierende nächtliche Dröhnen und Krachen des Eises mag ich nicht besonders.

Gestern Abend machte ein Nachbar die Runde auf den Pontons und vermeldete an alle bewohnten Boote, dass am folgenden Tag das Wasser für wahrscheinlich 10 Tage abgestellt werden wird. Ständige Minustemperaturen sind gemeldet.

Bei so einer Nachricht diskutiert man nicht lange. Schlauch abgerollt, übers Boot auf die dem Steg gegenüber liegende Seite geführt, Stutzen rein und los. Wir haben 2 Wassertanks zu 1000 Liter. Diese liegen, wie die 2 Treibstoff- und 2 Abwassertanks ebenfalls, je auf einer Seite des Boots und sind miteinander verbunden. Damit bleibt das Boot stets im Gleichgewicht, da sich der Inhalt steuer- und backbords jeweils gleichmässig senkt.

Ab sofort muss also mit dem Wasser gehaushaltet werden. 2000 Liter scheinen viel, diese sind aber ohne eine Kontrolle überraschend schnell weg. An und für sich gewöhnt man sich einen ökonomischen Wasserverbrauch auf einem Boot automatisch und rasch an. Allerspätestens dann, wenn einer voll eingeseift unter dem verebbenden Wasserstrahl steht hat er es begriffen. Wasser ist zwar überall zu bekommen, aber ans bunkern muss gedacht werden und wenn wir lange nicht an Häfen oder Anlegestellen mit Trinkwasser anlegen ist der Vorrat halt dann einfach einmal zu Ende! Etwas zum Voraus denken empfiehlt also durchaus.

Wenn wir Besuch an Bord haben, gibt es stets eine kleine Einführung über einige Besonderheiten an Bord, die berücksichtigt werden müssen. Wasser und Abwasser ist eines der grossen Themen. Der Normalbürger oder -bürgerin in unseren Breitengraden hat schlicht keine Ahnung, wieviel Wasser er wirklich verbraucht. Unter dem fliessenden Wasser abwaschen, Wasser laufen lassen während des Zähneputzens oder des Einseifens unter der Dusche? Lange und heiss duschen? WC-Spülung gross oder klein?  Wasserbedarf eines Waschgangs oder – viel schlimmer – des Wäschetrockners? 2000 Liter sind da im nu die Rohre runtergespült! Im Sommer reichen die manchmal gerade ein paar Besuchstage (und da wasche ich nie), einfach so für Küche und Bad!

Natürlich haben wir früher die periodische Wasserrechnung gesehen. Aber so richtig, richtig Gedanken gemacht haben wir uns nie darüber. Erst seit wir auf einem Boot wohnen und wir die Tanks aktiv befüllen müssen, haben wir realisiert was für Unmengen an Trinkwasser wir unbedacht verbrauchen! Mit Wasser sparsam und bewusst umzugehen haben wir jetzt gelernt und sehen, dass es auch mit viel weniger ganz gut geht. Jetzt haben wir die Tanks voll; die 10 Tage werden wir gut überstehen. Wenn die tiefen Temperaturen allerdings noch länger und ohne Unterbruch anhalten, hätten wir ein Problem. Das heisst, nicht bloss wir, sondern alle hier auf den Booten.

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

Ein Gedanke zu „Bei Frost kein Wasser“

  1. Ich drücke die Daumen dass es bei den 10 Tagen bleibt. Ich hab ja schon wieder genug vom Winter noch bevor er hier wirklich angefangen hat. Bei 3 grad und gefühlten -4 auf den Bus warten der mal wieder zu spät ist ist einfach kein Spaß.

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