Vorsätze zum neuen Jahr?

Mach ich nicht. Dazu kenne ich mich zu gut. Leider hat das noch nie geklappt und so lasse ich es sein. Ich will mich nicht enttäuschen.

Aber grosse Hoffnungen in mich/uns habe ich dennoch. Diese begleiten mich ständig, beschränken sich jedoch nicht auf ein paar Tage im Jahr. Bessern kann man sich immer. Aber ich fürchte, diese Hoffnungen zielen auf komplexere Dinge als bloss ein paar Kilos abspecken, mehr Sport zu treiben oder den Mut zu finden, die längst fällige  Gehaltserhöhung zu beantragen.

Trotzdem. Ab gesehen davon, dass wir beide weit entfernt von perfekt sind, haben wir wohl eines im Leben erreicht – nein wir sind nicht reich geworden, wir haben keine Modellfiguren, sind nicht ewig jung und knusprig, keine tolle Karriere gemacht, sind nicht berühmt und haben auch keine zig tausend Follower – wir, ganz einfach, mögen uns selbst und haben unseren Frieden mit uns gemacht (meistens!). Eigentlich braucht es gar nichts mehr darüber hinaus, oder doch?

Soll ich mir vornehmen mich Cher anzugleichen? Oder Jane Fonda? Gut, ohne Tonnen von Make-up sehen die wohl auch nicht so proper und taufrisch aus. Von diversen OPs reden wir gar nicht. Soll ich mir vornehmen, nur noch und ausschliesslich gesund zu essen? Abgesehen davon, dass ich meistens gesund esse, soll ich auch noch auf die paar kleinen Sünden verzichten? Ich könnte mir vornehmen, morgens nach dem Aufwachen, popp, sofort aus dem Bett zu hüpfen und …. was? Um dann total erledigt vor dem Badezimmerspiegel zu stehen und mich nicht mehr erinnern, wie zum Teufel ich dahin gekommen bin, und vor allem, warum? Ich könnte mir auch vornehmen mehr Struktur in mein Leben zu bringen. Also zum Beispiel, stets am selben Tag Staub zu saugen, den Markttag nie auslassen, zwei mal die Woche regelmässig Pilates zu machen, immer Dienstags und Donnerstags eine Stunde Holländisch zu studieren, eisern 5 grosse Gläser Wasser pro Tag zu trinken… der Ideen hätte ich noch viele. Nun ist es aber so, dass ich akzeptiert habe, eine chaotische Person zu sein. Muss ich, in meinem etwas fortgeschrittenen Alter, mich noch damit abmühen doch noch iiiirgend einmal alles perfekt im Griff zu haben?

Das Leben macht doch auch so Spass, da steck’ich weg, dass mein Mann jeden, und ich meine damit wirklich jeden, Morgen darüber schimpft, dass wir morgens wieder zu lange liegengeblieben sind. ‚Tschuldigung: es ist Winter, frühmorgens haben wir 15 Grad in der Kabine und es ist bis 8 Uhr dunkel. Was sollen wir denn mitten in der Nacht am Frühstückstisch, beide frierend und gähnend, und die Hunde gucken bloss verständnislos und fragen sich offensichtlich, welcher Dämon uns da geritten hatte und welche Rolle sie denn in diesem neuen Spiel haben. Und viel schlimmer, dann müsste ich abends um 22 Uhr ins Bett, das ist für mich später Nachmittag! Und überhaupt, im Sommer ist dann eh alles wieder anders.

Mein Typ befielt mir nicht, mich ständig zu bessern. Genauer gesagt: ich habe zwei Teufelchen auf der Schulter, eines auf jeder Seite. Das Teufelchen namens Dusolltest hat jedoch eine viel leisere Stimme als das Teufelchen Istschongutso. Leider, leider bin ich ein hoffnungsloser Fall und habe die Frechheit, das a) zuzugeben und b) es nicht wirklich schlimm zu finden.

Also wieder keine Vorsätze! Besser so, man soll sich selber nicht im Stich lassen.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

9 Kommentare zu „Vorsätze zum neuen Jahr?“

    1. Das macht mich jetzt schon gerade ein wenig verlegen. Aber ich denke, sich so zu akzeptieren wie man ist erleichtert das Leben enorm und ist auch eine gute Grundlage dazu, andere so zu nehmen wie sie eben sind. Kein Stress

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      1. Da hast du recht, es erleichtert das Leben. Aber bis das vom Kopf überall sonst angekommen ist… nicht leicht, zumindest für mich!

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      2. Ach ja, ich bin da auch schon ein gutes Stück weiter als noch vor 2 Jahren, aber Luft nach oben ist schon noch. Ich kenn aber auch niemanden, der so zufrieden mit sich ist, wie du es zu sein scheinst!

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      3. Ich habe einen riesigen Vorteil! Auf einem Boot ist man etwas ausserhalb des üblichen Trubels, wir sind eindeutig etwas abgekoppelt und wir werden nicht ständig belabert mit was man alles noch tun, sein und haben könnte! Das macht es schon mal einfacher.

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  1. Du hast Recht! Warum soll ich mich ändern, wenn es mir mit meinen Marotten gut geht. Was hab ich davon früh aufzustehen, dann häng ich den ganzen Tag in den Seilen und krieg nichts gebacken!
    Und wenn ich wirklich etwas ändern will oder muss, dann brauch ich dafür kein spezielles Datum.

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