November-Stimmung

November. Nicht mein Lieblingsmonat, und wenn es draussen aussieht wie in diesen Tagen noch viel weniger! Wäre schön, ich könnte sagen wir hätten eine Symphonie in grau. Leider wird zur Zeit nur ein Farbton angeboten: Schmutzig-Grau.

Dafür geht es sonst gut. Ich habe mich gerade
in der Bootsschule angemeldet und werde die Praxis noch vor Mitte Dezember und die Theorie im Januar machen können. Yeah! Jetzt benötige ich bloss noch eine Gesundheitsbescheinigung und dann kanns losgehen. Wir sind also schon wieder auf Arztsuche. Pont-de-Vaux, immerhin ein Städtchen von ungefähr 2’300 Einwohnern hat offenbar keinen Allgemeinpraktiker mehr. Leute, werdet Familienärzte, das ist doch nicht mehr normal. Wie machen das ältere Leute ohne Fahrzeug? Wie wir, zum Beispiel. Wir, Mann hört das nicht so gern aber ich sag’s jetzt trotzdem, sind auch schon jenseits von jung, zwar noch nicht gaga, aber mobil nur mit Drahtesel. Ich sehe mich schon weiss der Herr wohin radeln, bei Eisregen und Glatteis! Nur um den Blutdruck messen und kurz in mich hinein hören zu lassen. Diese Bescheinigung ist Vorbedingung für den Kurs. Wir werden eine Praxis finden, die mich (uns) aufnimmt. Dann geht’s gleich los; Auf die Navigationsstunden bin ich gespannt, egal bei welchem Wetter!

Mit Janusz‘ Lähmung geht es besser. Er kann sein Ohr wieder stellen, die Lefzen scheinen ok und es tropft ihm nicht mehr unkontrolliert Speichel heraus. Das war etwas ungewohnt und eklig. Einzig mit dem Augenblinzeln will es noch nicht klappen. Das innere Lid schliesst sich wenn er schläft, aber das Äussere sehe ich kaum mal sich bewegen und wenn, dann ganz langsam. Um das Auge feucht zu halten erhält er regelmässig von seiner Augensalbe. Wir haben immer noch keine Ahnung, was ihm passiert sein könnte, aber Muskeln und Nerven scheinen sich langsam zu erholen. Auf keinen Fall fühlt er sich beeinträchtigt oder hat Schmerzen; er clownt herum wie seit eh und je. Merry hatte, seit wir wieder aufs Boot gezogen sind, keinen epileptischen Anfall mehr. Sie ist offensichtlich wieder sehr ruhig und ausgeglichen. Zu Hause, würd’ich sagen. Offensichtlich sind ihre Anfälle stressbedingt und somit erwarten wir keine mehr. Und, wenn wir schon bei den verschiedenen Zipperlein sind: Mein Auge ist zur Zeit stabil (cross the fingers), nach dem Fall der „Regentropfen“ ist nichts neues mehr hinzu gekommen. Das Hirn blendet sowohl die „Mücke“ als auch die „Tropfen“ immer öfter aus. Gemäss Ophthalmologin sollte die Glaskörperablösung Ende Monat abgeschlossen sein und ab dann sollten keine neuen Störfaktoren mehr hinzukommen. Bin nicht sicher ob das nun gute news sind, schliesslich bleiben die Beeinträchtigungen bestehen. Alterserscheinungen, besonders bei so stark myopen Personen wie ich. Toll 😦 Wenigstens schliesst dies das weiterhin Kontaktlinsen tragen nicht aus!

Mein allerbester Mann hat am Boot heute eine Annäherungs-Beleuchtung installiert. So werden wir nicht mehr zu Tode erschrecken, wenn eines von uns abends raus will und zack, vor der Türe steht ein Fremder. Die Hunde haben total versagt und, da auf dem Steg die Beleuchtung nur die untersten 40 cm über Boden ausleuchtet, hatte ich den Schock meines Lebens. Der Fremde vor der Tür war übrigens harmlos. Es ist einer unserer Nachbarn, der uns willkommen heissen wollte. Ich aber hatte das Herz mindestens bei den Knien vor Schreck. Dem ist also abgeholfen, heute Abend wird getestet.

Die Escapade ist schon seit einer Woche wieder im Wasser und in der Zwischenzeit schön durchgewärmt und die Luftfeuchtigkeit ist auch wieder runter auf normal. Gleich nach unserem Einzug war es etwas ungemütlich feucht und das Boot war so richtig durchgekühlt. Ich habe gewaschen was das Zeug hielt, nun ist alles wieder frisch und aufgeräumt. Es gibt schon wieder eine Ecke, wo alles hinkommt, das wir nicht mehr brauchen. Jedes von uns räumt mindestens 10 Dinge raus, die wir im letzten Jahr a) nicht benutzt haben oder b) nicht mehr gewusst haben, dass wir es haben oder c) keine Freude mehr daran haben (so für die unnützen Dinge) und d) speziell den Göttergatten betreffend: die Kleider ausmustern, welche nicht mehr passen. Er entwickelt sich in die Breite: von stets super-superschlank zu schlank, Alter sei Dank.

Ich freue mich, hier Bekanntschaft mit unseren tierischen Nachbarn zu machen. Auf dem Ponton gibt es eine Katze, die niemandem so richtig gehört. Sie wählt ihr Boot nach Lust und Laune aus und mehrere Nachbarn stellen ihr Futter hin. Sie lassen sie auch rein, sie riskiert also nicht, es zu kalt zu haben. Merry hat schon ihre Bekanntschaft gemacht und realisieren müssen, dass diese Katze keine Rennspiele macht. Das kennt sie noch von unseren Katzen her. Es gibt einfach so sture Katzen, die keinen Humor haben und nicht mit Hunden spielen wollen! So ein Mist. Janusz interessiert sich so was von gar nicht für Katzen; für ihn sind sie durchsichtig. Auch gut. Die Schwanenfamilie und die Schreienten haben noch nicht gemerkt, wo wir sind. Anfang Oktober hatten wir das Gefühl, die Enten seien uns vom Gästeponton zum See gefolgt. Auf jeden Fall haben wir sie auch vom Hobbit-Häuschen aus noch zetern gehört. Zur Zeit sind sie meist auf der Reyssouze bei der Mühle. Dort dürfen sie ruhig bleiben, ich brauche keine nächtliche Party hier. Das einsame Nutria haben wir auch schon lange nicht mehr hier gesehen, es aber im See gesichtet. Es schläft da oft auf einen halb ins Wasser gestürzten Baum. Dafür hat es hier gegenüber im Gebüsch eine Bande lebhafter Bergfinken (wenigstens nehme ich an, es seien Buch-oder Bergfinken, Spatzen sind es jedenfalls nicht) und einen Eichelhäher sehe ich auch im Geäst herumturnen. Dazu ein paar vorwitzige Elstern. Letzten Winter in Auxonne hatten wir einen „eigenen“ Kormoran, der jeweils rund ums Boot fischte; ich vermisse ihn. Es sind so seltsame Vögel; wenn sie schwimmen, sehen sie aus als ertrinken sie gleich. Sie liegen ganz tief im Wasser und sind hervorragende Fischer (zur Freude der menschlichen Fischer, haha). Hier hat es keinen einzigen Kormoran. Schade. Aber der Kormoran ist eigentlich das einzige, das mir hier fehlt. Schön nicht?

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

8 Kommentare zu „November-Stimmung“

      1. Ich mag Hunde mindestens genauso gern – aber eure Hunde kenn ich ja schon! Und n Hund aufm Boot ist jetzt auch weniger außergewöhnlich als ne Katze…. besonders cool wär natürlich n Pferd aufm Boot! Aber ich fürchte da wirst du nicht mitspielen 😉

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      2. Ehm, auf die Idee wäre ich wirklich nicht gekommen.Obwohl, früher hatten die Lastkähne tatsächlich Pferdeställe an Bord. Für die Pferde und Maultiere die die Kähne zogen, denn diese hatten sehr sehr lange keine Motoren.

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