Hunde und Menschen

Die beiden Vorgänger unseren zwei lieben Vierbeiner waren beide ausgebildete Therapiehunde. Einer davon war Boris, ein Grosser Schweizer Sennenhund-Mischling. Als er etwa 3 Jahre alt war fand ich ihn in unserem Dorf herumirrend.
Seine Besitzer liessen sich nicht ausfindig machen und wir nahmen ihn bei uns auf. Boris war offensichtlich ein Kettenhund gewesen, kannte und konnte nichts. Er blühte auf wie ein Welpe und holte bei uns seine Jugendzeit nach. Erzieherisch forderte er uns heraus und wir haben durch ihn eine Menge über Hunde gelernt. Bei allen Macken war er stets sehr zuverlässig und lieb mit Menschen, ob alt oder jung. Er machte den Therapiehunde-Kurs, da war er schon 9 Jahre alt und nicht mehr so ungestüm. Er meisterte die verschieden Anforderungen mit Bravour. Bis er 13 war besuchten er und mein Mann „ihren“ Gerry, ein körperlich und geistig eingeschränkter Mann, der zudem fast blind war. Gerry liebte Boris heiss, streichelte und bürstete ihn liebend gerne und liess sich dank Boris zu Übungen überzeugen, die seine körperliche Fitness und den Gleichgewichtssinn stärken sollten. Wenn Boris dabei war, machte er gerne mit, sonst verweigerte er „solches Zeugs“. Mit 13 ging Boris dann in Pension und genoss noch weitere 3 Jahre lang sein Leben, stets älter werdend aber immer noch bei jedem Abenteuer voll dabei.

Unser zweiter Hund Billy, ein Irish Wolfhound x Bergamasker, machte den Therapiehunde-Kurs ebenfalls, mit mir. Er hat die Abschlussprüfung auch geschafft, war aber kein Naturtalent wie Boris. Mein Hintergedanke für den Kurs war hauptsächlich Billy damit mehr Selbstbewusstsein zu vermitteln. Wegen einer unglücklichen Welpenzeit war er etwas unsicher und die verschiedenen Übungen halfen ihm Spannungen und Belastungen besser auszuhalten. Ausser ein paar Kindergartenbesuche, welche er sehr liebte, haben wir beide dann nie wirklich in einem Heim „gearbeitet“.

Therapiehunde müssen einen zuverlässigen Gehorsam haben, belastbar sein und auch in für sie fremden Situationen ruhig und freundlich bleiben. Dafür gibt es schon mal eine Grunddisposition des Hundes und um diese zu festigen wird im Laufe des Kurses geübt. Sie lernen mit Menschen am Stock oder im Rollstuhl zu gehen, lernen mit Menschen umgehen, die sich seltsam bewegen oder schreien, die sie ungeschickt anfassen, nach Medikamenten riechen und und und. Auch wir als Hundeführer lernen eine Menge. Die anfängliche Scheu gegenüber Menschen mit Beeinträchtigungen legt sich schnell und wir haben tolle Stunden in „unserem“ Heim verbracht. Natürlich waren unsere Besuche, manchmal mit beiden Hunden, eine riesige Attraktion für die Bewohner und eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Stubenhocker lassen sich da auf einmal zu Spaziergängen animieren, essen besser, schlafen besser oder brauchen weniger Medikamente wenn sie in Kontakt mit Therapiehunden kommen. Bereichert werden jedoch nicht nur sie, sondern auch wir. Tempi passati.

Nun haben wir andere Hunde und die sind nicht speziell ausgebildet. Deshalb waren wir etwas skeptisch als wir heute Nachmittag am See von Ferne eine ganze Gruppe von Menschen sich uns nähern sahen. Es war offensichtlich, dass das ein Ausflug eines Heims war. Einer der Männer war ziemlich laut, ein anderer bewegte sich abrupt und unsicher. Das kann für einen Hund schon mal „verdächtig“ sein, wenn er das nicht gewohnt ist. Vorsichtshalber nahmen wir Janusz und Merry an die Leine. Wir wissen nur, dass Janusz sehr geduldig mit Kindern ist. Bei Merry war ich mir überhaupt nicht sicher wie sie reagieren wird (sie hat ja Anfang Jahr noch alle Spaziergänger angeknurrt). Unsere Bedenken waren völlig unnötig. Beide standen inmitten von erwachsenen Behinderten, locker und gut gelaunt, liessen sich von ungeschickten und verkrampften Händen anfassen, kümmerten sich nicht um den Schreihals und schnupperten höchstens ein bisschen an den Hosenbeinen eines der Männer. Wir schwatzten einige Minuten mit der Gruppe und gingen dann weiter. Eine gute Übung für die Beiden und für uns auch! Vor Allem Merry ist in diesem Jahr einen weiten Weg gegangen und ich bin stolz auf sie: Von einem gestressten, alles anbellenden und -knurrendem Köter zu einer kleinen Hündin, welche auch mal treuherzig vor die Leute steht und zu fragen scheint: Guck mal, bin ich nicht süss? Darfst mich auch streicheln.

Gut gemacht, ihr beiden! Test bestanden.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

4 Kommentare zu „Hunde und Menschen“

  1. Hallo Suzy und Claude, ich habe diese Erinnerungen gerne gelesen und bin mit den Gedanken zurück auf unsere Zeit zusammen in Mezzovico. Billy und ich haben unser Abenteuer mit euch zusammen angefangen und.. die schmelzenden weichen Ohren von Boris. Die vielen kleinen und grössere momente zusammen.
    Tanti cari saluti.

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  2. Ahhhhh wie schön! 😊 wie schön, dass eure beiden sich so lieb verhalten haben. Aber auch wie schön, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Nicht an der Gruppe vorbei gehastet seid. Und dass ihr euch die Zeit mit den Vorgängern genommen habt, die Ausbildung zu machen und Heime zu besuchen.

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  3. Ich finde die positiven Reaktionen von Menschen auf Tiere stets spannend, ganz egal ob alt oder jung, verletzlich oder stark. Tiere haben einen Einfluss auf die Meisten. Wenn man mit Hunden daher kommt und ein Strahlen in ein Gesicht zaubern kann, ist das ein schönes Geschenk. Dazu habe ich immer Zeit!

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