Stopp! Denkpause

think outside of the box

Entscheidungen zu treffen fällt uns in der Regel nicht schwer. Aber diesmal tun wir uns wirklich schwer!

Die Sache hat eine Vorgeschichte: Wir haben auf unserem Hausboot jegliches Gas rausgeschmissen. In edlerem Deutsch: wir kochen und backen elektrisch. Kochstelle und Backofen waren vorher mit Gas betrieben. Wir wollten aber kein Gas an Bord mehr und haben die elektrische Anlage entsprechend aufgerüstet. Unterwegs erzeugt ja der Motor die elektrische Energie und im Hafen schliessen wir uns an die elektrische Versorgung der Anlegestelle an.

Das Problem der elektrischen Versorgung an Tagen, an denen wir weder fahren noch in einem Hafen mit Versorgung sind, also an einer kleineren halte oder wild anlegen, wollten wir ursprünglich mit Solarpaneelen lösen. Diese hatten wir letzten Winter angeschafft und wollten sie im April in Tournus montieren lassen. Kurz bevor es an die Arbeit ging brachen wir das Projekt ab. Wir wurden uns auf der mehrtägigen Fahrt die Saône hinunter klar, dass wir das wahrscheinlich gar nicht brauchen, da wir eh nicht vorhaben irgendwo wild tage-oder gar wochenlang zu „squatten“. Ausserdem hätten sie uns fast das ganze obere Deck verschandelt. Wenn wir alle 2-3 Tage fahren reicht der Strom der Batterien allemal. Die Sonnenkollektoren wurden zurückgesandt und wir bezahlten ein ansehnliches Lehrgeld, weil wir natürlich nicht den vollen Preis zurück erstattet erhielten. Das war Kapitel 1 des Dramas.

Kapitel 2: Auf der Reise in diesem heissen Sommer realisierten wir, dass wir manchmal eben doch irgendwo am Schatten squatten müssen. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass solche Sommer – leider – nicht die Ausnahme bleiben werden. Die Häfen und Anlegestellen bieten meist absolut keinen Schatten und das wird, wenn die Perioden mit über 32°C lange dauern, ein Problem. Das Boot ist zwar gut isoliert, heizt sich jedoch trotzdem langsam auf. Und wenn es dann mal warm ist, dann geht es ebenso lange bis es sich abkühlt. Logo. Also benötigen wir doch eine zusätzliche Energiequelle für den Fall der Fälle, weil wir uns dann gerne an ein schattiges Plätzchen zurückziehen und abwarten bis die heissesten Tage vorüber sind. Zudem hatte man uns gesagt, dass die Batterien sich keinesfalls unter 75% leeren sollten, sonst nähmen sie Schaden und gingen kaputt. Wir waren dementsprechend die ganzen Sommermonate auf dem qui vive (keine Übersetzung möglich – sinngemäss ständig aufmerksam sein) und liessen die Elektro-Anzeigen kaum aus den Augen. Zeitweise spielten diese Anzeigen, wir dachten möglicherweise wegen der Hitze, verrückt und gaben verwirrende Daten. Dies war alles andere als angenehm und hielt uns ständig auf Trab!

Kapitel 3: Mit diesen Erfahrungen und der Überzeugung jetzt doch etwas Zusätzliches zu benötigen kamen wir an unseren Überwinterungsplatz. Um die Sache abzuklären liessen wir den Spezialisten der Elektroanlage kommen. Wir wurden belehrt, dass die Batterien ohne Weiteres bis unter 50% gehen dürfen und die Ursache der widersprüchlichen Angaben hat er relativ schnell gefunden und behoben. Dazu bot er uns an eine Offerte für einen eingebauten Generator, der mit unserem Diesel laufen würde, zu machen. Damit würden wir in allen Lagen sämtliche Elektrogeräte gleichzeitig laufen lassen können. Wow, das fanden wir cool, wir waren ganz bezirzt. Diese Offerte kam nun vor einer Woche und hat uns brutal auf den Boden der Tatsachen runtergeholt: über 10’000 Euro. Ich war sprachlos. Das ist viel Geld. Davon abgesehen stimmte auch sonst etwas nicht, störte mich, und ich konnte den Finger nicht drauflegen.

Kapitel 4: Ab und zu liege ich nachts wach und habe meist die besten Ideen und denke ganz klar. Ich kann dann zum Beispiel ganz doll Kopfrechnen. So geschehen vor ein paar Tagen und plötzlich wusste ich es: einmal würden wir diese Anlage gar nie amortisieren können, da wir sie (in 7 Monaten Fahrsaison durchschnittlich 1 x pro Woche) grob geschätzt 30 mal pro Jahr anwerfen würden. In 8 Jahren würde dies uns jedes einzelne mal 42 € kosten. Das ist irrwitzig. Ausserdem lasse ich nie Backofen, Herd, Waschmaschine, Staubsauger, Fön, Stereoanlage, Drucker und weiss nicht was miteinander laufen, nicht mal im Hafen! Bleiben wir mal am Boden. Kaum war Mann wach musste er sich die ganzen Berechnungen und meine nächtlichen Folgerungen auf nüchternen Magen anhören. Der Arme. Wir hatten danach etwas dicke Luft, aber schlussendlich kam er zum selben Schluss. Eine andere Lösung muss her. Eine mobilere Lösung, eine günstigere Lösung. Wir brauchen keinen Rolls Royce, etwas Bescheideneres tut’s auch. Es handelt sich ja bloss um eine Zusatzenergiequelle für den Fall dass wir tagelang nicht fahren können/wollen/dürfen. Respektive, genauer besehen benötigen wir bloss etwas, das unsere Batterien wieder auflädt. Als erstens haben wir bei der Werft umgehend die vorbereitenden Arbeiten (Loch im Rumpf!) abgesagt. Jede Bohrung weniger ist besser, aus einleuchtenden Gründen; es handelt sich ja schliesslich um ein Boot und das liegt normalerweise im Wasser. Ich fühle mich wohler, wenn wir nicht durchlöchert sind wie ein Schweizer Käse.

Kapitel 5: kann ich noch nicht schreiben! Wir sind noch nicht soweit, DIE beste Lösung für das Problem und für uns persönlich haben wir noch nicht gefunden. Aber wir haben noch etwas Zeit, den Winter über sind wir ja fest angeschlossen und wir werden die Zeit nutzen um feste nachzudenken. Vielleicht liege ich ja wieder mal wach.

Denk mal nach! Junge Frau sitzt an unserem idyllischen Seelein und denkt nach
Denk mal nach!

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

6 Kommentare zu „Stopp! Denkpause“

  1. Falls ihr irgendwo länger bleibt und die Batterien zu sehr entladen werden, könntet ihr doch einfach den Motor kurz im Leerlauf laufen lassen.
    Ich finde das Kochen mit Gas sehr angenehm, nur Reis quellen lassen ist etwas schwierig und im heißen Sommer wird es im Boot dann natürlich noch wärmer.
    Brennstoffzellen sind übrigens auch sehr teuer, hatte ich mal als Ergänzung zur Solarzelle angedacht.

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    1. Den Motor laufen lassen geht schon, aber es scheint uns unverhältnismässig einen grossen Motor bloss dafür laufen zu lassen und sehr effizient wäre das nicht wirklich. Wir werden schon eine Toplösung finden 😉

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