Regen und Sturm

Schlechtwetter - endlich!

Dachte ich mir es schon: Wenn es kommt, dann kommt es richtig!

Letzte Nacht hatten wir etwas Regen. Wahrscheinlich gerade genug um alles zu benetzen. Heute früh wollten wir gerade frühstücken, da rauschte es auf einmal und aus dem Nichts hatten wir Sturmböen! Da wir unter Bäumen lagen und gestern schon einige riesige Äste und einen Baum im aus unserem Weg schieben mussten, wollten wir nicht riskieren so ein Ding aufs Dach zu kriegen. Also noch schnell raus um das Boot 20 Meter kanalabwärts von den grossen Bäumen weg in Sicherheit ziehen. Keine Chance! Blätter und kleine Holzstücke flogen uns nur so um die Ohren. Der Wind war so stark, er hätte uns die Leinen samt Boot buchstäblich weggerissen. Bange schauten wir zu wie tausende von wirbelnden Blättern und haufenweise kleine und grössere Äste runterkamen. Die Bäume ums Boot herum bogen sich beträchtlich im Wind und schliesslich krachte einer etwa 20 Meter von uns weg in den Kanal. Inzwischen peitschte und prasselte der Regen nur so auf uns runter. Wir konnten nichts tun, nur zuschauen und hoffen, dass die piquets, die Pflöcke, welche wir zum Anlegen eingeschlagen hatten, halten würden. Und, dass kein Baum auf uns fällt!

Der ganze Spuk dauerte vielleicht 20-30 Minuten, vielleicht nicht einmal das. Aber es kam mir vor wie Stunden. Unser Boot wurde über und über mit Blättern und Ästen eingedeckt, aber nichts Schlimmes ist passiert. Glück gehabt. Und wir haben wiederum etwas gelernt: vor dem Festmachen unter Bäumen erst den Wetterbericht konsultieren!

Die von uns informierte Feuerwehr leitete die Meldung umgehend an VNF (Voies Navigables de France) weiter. Bereits ein paar Minuten später kamen drei bestens ausgerüstete VNF-Männer vorbei und entfernten den Baum, der 2/3 der Kanalbreite blockiert hatte. Sie machten das eindeutig nicht zum ersten Mal. Das ging ruck-zuck.

Das Ablegen verzögerte sich dennoch nochmals. Weiter oben, vor der nächsten Schleuse lag eine grosse Eiche im Wasser. «Unser» Baum sei peanuts, meinten die VNF-Menschen. Die grosse Eiche hingegen – das dauere ein wenig länger, sprachens, packten ihre Sachen und zogen von dannen. Ich muss sagen, mir hätte „unser“ Baum gereicht, wenn er aufs Boot gefallen wäre, ich brauch’ nicht unbedingt eine Eiche um einen besonderen Kick zu haben!

Sobald der Wind etwas nachgab, platzierten wir das Boot um, räumten die Sauerei auf dem Boot etwas weg und warteten auf die Freigabe des Kanals für die Navigation. Das Thermometer war auf 18°C gesunken und ich fror ganz gerne einmal ein wenig.

Die nachmittägliche Fahrt war ein Kampf gegen den Wind und ein Slalom um Äste und Baumteile herum. Wir genossen es trotzdem. Es blieb relativ kühl und die Sonne blitzte nur ab und zu zwischen den Wolken hervor. Eine angenehme Abwechslung nach den vielen heissen Wochen. Unsere Hunde waren selig und lagen ausgestreckt auf dem Deck und liessen sich vom Wind zerzausen.

In der Nacht soll der Wind zunehmend deutlich schwächer werden. Da wir überall Dreck und Blätter haben, beschlossen wir morgen eine Generalüberholung des Boots zu machen. Wasserschlauch, Schrubber, Besen und Staubsauger raus, it’s time to clean up the mess!

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

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