La guerre des biefs

Das deutsche Wort für bief habe ich jetzt gefunden: die Haltung. Das Wort bezeichnet die Strecke zwischen zwei Schleusen, da wird das Wasser „gehalten“. Diese Haltungen können ein paar 100 Meter oder auch zig Kilometer lang sein, je nach Topographie.

„C’est la guerre des biefs“, meinte der Schleusenwärter der ersten Schleuse heute auf unsere Frage nach der Wassertiefe der nächsten Haltung. Seit letzten Samstag ist die Wassertiefe des Kanals infolge Wassermangels abgesenkt worden. Die Meldung via Newsletter erfolgte erst Montags, bis dahin hatten wir das schon bemerkt! Es ist äusserst beunruhigend, wenn man plötzlich realisiert, dass das Wasser langsam zurückgeht. Die Angst irgendwo aufzusitzen ist latent stets da und so reagieren wir mit grosser Sorge, wenn wir auf einmal feststellen, etwa frühmorgens, wesentlich tiefer als am Abend zuvor zu liegen.

Die Spuren vom alten, normalen Wasserstand sind überall zu sehen

VNF (Voies Navigables de France) nimmt dies offensichtlich relativ locker! Ihre Angestellten, die Schleusenwärter vor Ort, jedoch weniger! Sie sind ein jeder für seine nächste, bergwärts liegende Haltung verantwortlich. Jeder éclusier kann/muss deren Wassertiefe regulieren. Dazu muss er die Weisungen von VNF berücksichtigen und dies mit Schleusengängen mit auf- oder absteigenden Booten und durch das Öffnen oder Schliessen der Schieber umsetzen. Das Problem ist, wenn von oben zu wenig Wasser kommt und er (oder sie, es gibt ein paar weniger Wärterinnen) gleichzeitig Wasser nach unten „nachliefern“ sollte. Deshalb „la guerre des biefs“. Ein jeder möchte Wasser für seine Boote, damit diese unbeschadet durch seinen bief kommen, ist ja klar. Wie eine Henne schaut er zu seinen Küken, eh Booten. Während des Schleusens wird notiert, welches Boot wann durchgekommen ist. Wir hinterlassen also eine deutliche Spur. Damit können wir kaum „verloren“ gehen. Die éclusiers melden uns auch bei der nächsten Schleuse an, teilen uns mit ob etwa Hotelboote unterwegs sind (jetzt keine mehr, haben zu viel Tiefgang und sind irgendwo blockiert) oder sonst etwas Besonderes zu erwarten ist.

Vor einigen Tagen übernachteten wir wild und hatten bereits angelegt. Da kommt auf der Gegenseite ein VNF-Auto auf dem Treidelpfad daher, hält, der VNF-Mann steigt aus und fragt über das Wasser hinweg, ob wir die Nacht da verbringen würden und wenn ja, auf welche Zeit er uns für den folgenden Morgen bei der nächsten Schleuse anmelden soll, die Schleuse wäre dann schon für uns bereit zur Einfahrt. Ich sag ja, wie eine Glucke! Süss.

Wir erkundigen uns nun an jeder Schleuse nach der zu erwartenden Wassertiefe in der nächsten Haltung. Je nachdem müssen wir mehr oder weniger auf eventuelle Untiefen, vor allem beim Kreuzen mit anderen Booten oder beim Anlegen achten. Im kleinen Hafen, wo wir die extreme Hitze der letzten zwei Tage aussassen, ging es rauf und runter wie in einer Badewanne. Unter der Schraube hatten wir zeitweise bloss noch 10-20 cm. Da macht es plötzlich grossen Sinn, wenn sich Bootsleute „stets eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“ wünschen. Ich nehme an, da ist eine kräftige Männerhand gemeint; meine Handbreite wäre wohl etwas knapp 😉

Wir sind zu Opportunisten geworden

Wie wir uns so von Haltung zu Schleuse zu Haltung bewegen, sind wir bei diesem Krieg stets auf der Seite des aktuellen éclusiers. In egoistischer Manier sind wir zu absoluten Windfahnen geworden und ermutigen stets einen anderen, nämlich den nächsten Schleusenwärter, um jeden Wassertropfen zu kämpfen. Was passieren würde, wenn dann mal zu wenig Wasser da ist, um die Navigation überhaupt aufrecht zu erhalten, wagen wir uns noch gar nicht auszumalen!

Abends die vergebliche Hoffnung auf Regen

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

3 Kommentare zu „La guerre des biefs“

  1. Liebe Bootsleute
    Auch wir Festansässigen leiden unter den extremen Wetterverhältnissen, wobei wir vielleicht zuerst an unsere ausgetrockenen Gärten denken, die armen Bauern, die kein Futter für ihre leidenden Tiere haben. Die Massenschlacht hat schon begonnen. Die ungewisse Zukunft des Klimas und Folgen für Mensch und Natur wird uns diesen Sommer sichtlich um die Ohren geschlagen, hoffentlich, endlich mit politischen Folgen.
    In Bosco hatten wir diese Woche zwei heftige Gewitter mit ETWAS Regen, just enough to feel newly born. Das wünsche ich euch und den Hunden von Herzen auch, Sylvia

    Gefällt 1 Person

    1. Heftiger Regen und vor allem stürmischer Wind hier heute. Die armen Bäume waren dem zum Teil nicht gewachsen und fielen gerade reihenweise um. Der Regen tat gut und der Temperatur- Rückgang auch. Wir können wieder durchatmen! Aber wie du sagst, wir müssen umdenken und anders leben lernen. Die Politiker werdens kaum richten. Zu viel Geld im Spiel; leider herrscht immer noch oberflächliches Profitdenken vor.

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