Erstens kommt es anders…

Man blickt über den Fluss, an einer hässlichen Raffinerie vorbei auf das Schleusengebäude in weiter Ferne

… und zweitens als man denkt.

Flexibilität ist gefragt wenn man auf einem Boot leben und reisen will! Das haben uns so viele immer wieder gesagt; Leute die es aus langjähriger Erfahrung wissen müssen. Als Anfänger haben wir ja halt manchmal noch unserer altes Tempo im Hinterkopf. Wir planen etwas oder setzen uns sonst irgendwas in den Kopf, nehmen das ins Visier und bugsieren es durch. Meistens klappt es dann ja ganz gut. Aber eben nicht auf einem Fluss! Eben gerade nicht!.

Freunde von uns waren kürzlich auf dem Rhein-Rhone-Kanal blockiert. Sie haben uns leid getan, weil sie so begeistert losgeschippert sind. Geplant für 2018: Auxonne – Berlin – Avignon. Eine lange Reise; wäre für uns wohl noch eine Nummer zu gross. Kaum losgefahren blieben sie jedoch fast einen Monat vor Mulhouse liegen, weil ein Hangrutsch den Kanal getroffen und diesen instabil gemacht hatte. Sie sind jetzt zwar wieder unterwegs, haben jedoch viel wertvolle Zeit „verloren“ und die werden sie brauchen, wenn sie tatsächlich den nächsten Winter im Midi verbringen wollen.

Wir selber befinden uns jetzt auf unserer allerersten grossen Reise und sind noch wenig vorangekommen. Letzten Freitag gestartet, haben bis heute ganze 75 Kilometer geschafft. Natürlich nehmen wir es gemütlich, und wenn viel Wind oder heftige Gewitter angesagt sind machen wir halt Pause. Das gehört zu unserer neuen Langsamkeit und ist voll ok.

Heute früh wollten wir endlich von der Saône wegkommen und bei Chalon-sur-Saône in den Canal du Centre einbiegen um langsam Richtung Paris zu fahren. Ich habe mich so darauf gefreut, schon insbesondere weil die Schleuse, die vom Fluss in den Kanal führt, die höchste meiner derzeitigen Bootler-Karriere sein wird: 10,53 Meter! Freunde haben uns davon erzählt; man fühle sich – wenn man von der Saône her einfährt – wie in der Hölle. Durch ein Guillotine-Tor geht’s da rein und dann sind rundum nur noch dunkle, triefend nasse Wände und weit, weit oben der Himmel! Klingt etwas schaurig, muss man aber  mal erlebt haben.

Wir eben immer noch nicht. Hoffnungsvoll sind wir in den Zubringerkanal eingebogen, in der Ferne ein grosses (und hässliches) Gebäude mit einem geschlossenen Tor. Mit dem Fernglas halten wir jeweils nach den Lichtsignalen Ausschau. Rot = besetzt, rot und grün = in Vorbereitung für uns, grün = Einfahrt autorisiert.

Ein paar „geliehene“ Bilder von Crissey

hoffentlich folgen bald eigene, bessere Bilder!

Da war aber überhaupt kein Lichtsignal. Nichts, nada, tot. Also anrufen. In den tollen Navigationsführern findet man alles, auch diese Art Telefonnummern. Ah, die Schleuse ist geschlossen und wird repariert, man weiss nicht wie lange das dauern wird. Ehm, handelt es sich um Stunden oder Tage? Tage oder mehr!

Das hatten wir nicht kommen sehen! Um vieles kümmern wir uns im Voraus, aber auf die Idee uns vorgängig zu informieren ob wir überhaupt in den Kanal einfahren können sind wir nicht gekommen. Zwei baffe und gerade in ein kleines Tief gestürzte Bootler wendeten ihr Boot und zuckelten abgeschlagen zurück auf die Saône und brauchten einen Moment um einen neuen Plan zu fassen 😦

Wir befinden uns jetzt im hübschen Hafen von Châlon und haben in der Zwischenzeit herausgefunden wann diese Schleuse repariert sein wird (wenn alles klappt): in einer Woche. Hélas. Neben uns liegt ein Boot mit einem deutschen Ehepaar; denen ist eine Stunde nach uns genau dasselbe passiert. Tröstet uns ein wenig.

An und für sich ist das alles ja kein Drama. Am Sonntag bekommen wir jedoch für 3 Tage Besuch aus der Schweiz und wollten diesem Paar so gern etwas Kanalleben bieten, mit gemütlich herumschippern und wild übernachten und so. Im Canal du Centre wäre das ganz toll gewesen. Das wird nun nicht gehen und wir müssen uns eine Alternative ausdenken. Ach, wir sind einfach ein wenig enttäuscht!

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

4 Kommentare zu „Erstens kommt es anders…“

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