Hunde(v)erziehung

Merry und Januzs in wildem Spiel

Unsere beiden Racker haben wir jetzt schon bald 4 Jahre. Die Kleine seit Ostern ’14 und den Grossen seit Juli ’14. Beide sind sie „Second Hand“. Dementsprechend haben beide etwas Altlasten. Es sind nicht die ersten Hunde, die wir so aufgenommen haben und mit Unarten oder Blockaden kommen wir im Allgemeinen gut zurecht.

Kürzlich haben wir nun aber feststellen müssen, dass ein paar kleine Verhaltens-Probleme entstanden sind. Das schleicht sich jeweils so ein ohne wirklich wahrgenommen zu werden. Bis man – also in diesem Fall WIR – eine Situation realisiert, hat sich meist schon etwas festgesetzt. Konkret: Die Kleine benimmt sich sehr unhöflich gegenüber anderen Hunden sobald sie an der Leine ist. Sie kläfft und knurrt und spielt den ganz grossen, gefährlichen Hund. Und da zwei Hunde schon eine kleine Meute sind, lässt sich der Grosse manchmal anstecken. Zudem hat sie jetzt auch angefangen, im Freigang entgegenkommende Spaziergänger anzuknurren.

Die Reaktionen der Passanten auf die Knurrerei der Kleinen sind sehr locker. Stil „ach, die hat doch nur ein wenig Angst“, lachen darüber, wünschen einen schönen Spaziergang und ziehen von dannen. Auch Hundebesitzer sind sehr entspannt und weder übertrieben beschützend noch schnell persönlich beleidigt, wenn sich Hunde mal daneben benehmen. Generell ist die „Hunde“-Stimmung hier viel, viel lockerer, verglichen mit dem, was wir gewohnt sind.

Nun, dieses Knurren und das Theater das die Kleine bei Hundebegegnungen macht, gehen nun aber gar nicht. So viel ist klar. Unsere erste Reaktion war – wohl sehr menschlich und instinktiv – der Versuch die Situationen, in denen das vorkommt, zu vermeiden. Also: Begegnungen ausweichen, sie fester an der Leine halten, sogar schimpfen mit ihr … und so weiter. Wir haben damit das Problem offensichtlich nicht ent- sondern verschärft.

Wir sollten es doch wirklich besser wissen, ist ja nicht das erste Mal, dass einer unserer Hunde sich etwas angewöhnt, das Probleme schafft. Eine vertiefte Analyse tut not. Nicht beim Hund, bei uns! Wie verhalten WIR uns? Und was sind unsere Signale auf die Hunde?

Es kann durchaus sein, dass mit der ganzen Lebensumstellung – dem Umzug aufs Boot, ein anderer Alltag – sich etwas Wesentliches für unsere Hunde geändert hat und wir auf unsere Vierbeiner „befremdlich“ wirken und wir vielleicht gar Verhalten an den Tag legen, das früher anders war. Sicher ist, heute treffen wir auf unseren Spaziergängen viel öfter Menschen und Hunde an als früher. Da wo wir vorher gewohnt haben, trafen wir auf unseren Spaziergängen oft stundenlang überhaupt keine Menschenseele an. Nun, da wir ein paar Monate hier verbringen, liegen wir direkt am Naherholungsgebiet der Stadt. Kann es denn sein, dass uns Hundehalter das etwas stresst und damit auch die Kleine unter Druck kommt?

Das bleibt zu testen, nicht wahr? Eingesehen und nun umsetzen! Wir kontrollieren uns und nehmen Druck weg vom Hund. Ein Versuch ist es wert.

Seit Tagen briefen wir uns nun gegenseitig bevor wir rausgehen mit den Hunden und sind so „zen“ unterwegs wie immer möglich. Für die Hunde nehmen wir vorübergehend fast mikroskopisch kleine Käsehäppchen mit. Das lieben sie. Sobald sich eine kritische Situation anbahnt beschäftigen wir uns alle mit den Häppchen und loben sie, wenn sie sich ruhig verhalten und sich um nichts anderes kümmern. Anfangs konnte sich die Kleine kaum vom Reiz lösen und sich auf das Futter konzentrieren; der Grosse war – als Genusshund – sofort begeistert. Jetzt nach ein paar Tagen, kommt schon langsam die erwünschte Verknüpfung: fremde Hunde (= Käse) = toll, Spaziergänger (= Käse) = super. Die Hoffnung besteht also, dass die Spannung abnehmen wird, Begegnungen einen angenehmen Nebeneffekt haben werden  und sich somit die Situationen überhaupt entspannen können. Für uns alle Vier. Mal sehen wie es weiter geht. Parallel dazu haben wir uns vorgenommen wieder vermehrt mit den Hunden zu arbeiten (Mobility, Spuren- und Suchspiele, etc.). Das haben wir in letzter Zeit vernachlässigt und es kann gut möglich sein, dass sie einfach mental auch unterbeschäftigt waren. Dem soll nun abgeholfen werden. In ein paar Wochen sollten wir eine wesentliche Besserung sehen. Bleibt dann nur noch das Absetzen der Naturaliengaben. Aber da mache ich mir keine Sorgen, Lob, Spiel und etwas Knuddeln werden es auch tun.

 

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

5 Kommentare zu „Hunde(v)erziehung“

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